Wildtiere: Die Gewinner und Verlierer vom 2018

2018 war kein gutes Jahr für die Tiere: Einige Arten breiten ihre Lebensräume zwar aufgrund der Klimaerwärmung aus, wie beispielsweise der Bienenfresser. Doch andere, wie der Ostsee-Hering oder die Schneeeule, haben mit globaler Erderwärmung und schwindenden Lebensräumen zu kämpfen. Der WWF zieht Bilanz zu den Gewinnern und Verlieren im 2018.

Bild: © naturepl.com / Dave Watts / WWF ) Nach 50 Jahren leben die Tüpfelbeutelmarder in Australien wieder in freier Wildbahn

Einer der grossen Verlierer im Jahr 2018 ist der Ostsee-Hering. Einst galten seine Vorkommen als unerschöpflich. Seit 10 Jahren gibt es aber immer weniger Nachwuchs. Wie dem Hering geht es vielen Fischbeständen, sie sind überfischt, erschöpft oder leiden unter der Klimakrise. Zu den Verlierern gehört auch der Tapanuli-Orang-Utan, der kaum entdeckt schon als akut bedroht gilt.

Hoffnung gibt es dafür bei Finn- und Grauwal – die Fangverbote zeigen Wirkung. Auch die Bestände der Berggorilla sind mit 1000 Tieren wesentlich höher als gedacht. Trotzdem ist er noch immer als «stark gefährdet» eingestuft und durch Wilderei und Landwirtschaft bedroht. «Die Beispiele zeigen, dass Schutzmassnahmen zum Erhalt der Arten funktionieren. Sie können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch ein steiniger Weg vor uns liegt, wenn wir den Planeten und die Artenvielfalt erhalten wollen», sagt Philip Gehri, Kommunikationsbeauftragter beim WWF Schweiz.

Verlierer 2018
Ostsee-Hering: Heringe stehen im Guinness-Buch der Rekorde: Weltweit kommt kein Fisch in grösserer Zahl vor. Trotzdem gibt es schlechte Nachrichten vom Ostsee-Hering: Er hat in den vergangenen 60 Jahren den Grossteil seiner für die Eiablage so wichtigen Unterwasserwiesen verloren. Jetzt macht ihm zusätzlich die Klimaerwärmung zu schaffen. Seit über 10 Jahren gibt es immer weniger Nachwuchs.

Tapanuli-Orang-Utan: Er ist ein ganz unbekannter Vertreter seiner Art. Tatsächlich wurde dieser Waldmensch erst im November 2017 auf Sumatra entdeckt. Tapanuli-Orang-Utan heisst diese neue, eigenständige Art. Kaum entdeckt, ist er schon akut bedroht. Nur noch 800 Tiere gibt es. Damit ist er der seltenste Menschenaffe der Erde. Plantagen und Goldminen nagen am verbliebenen Lebensraum von rund 1000 Quadratkilometern, der damit etwa so gross wie der Kanton Uri ist.

Schildkröten: Sie bevölkerten die Erde schon vor über 200 Millionen Jahren und überlebten die Dinosaurier. Die Hälfte der bekannten Spezies sind bedroht. Ganz oben die Yangtse-­Riesenweichschildkröte. Nur drei Tiere gibt es weltweit. Nun scheint sich das Schicksal von «Lonesome George» zu wiederholen.

(Bild: © Wild Wonders of Europe / Igor Shpilenok / WWF) Nach einer schlimmen Seuche und einem harten Winter wurden im Mai 2018 nur noch 3000 Mongolische Saiga-Antilopen gezählt

Mongolische Saiga-Antilope: Anfang 2017 fielen Tausende einer schlimmen Seuche zum Opfer. Der harte Winter 2017/2018 schwächte die Bestände abermals. Nach Kälte und einem sich ausbreitenden Virus hatten nach Zählungen im Mai 2018 nur 3000 Tiere überlebt.

Schneeeulen: Bisher galt die Schneeeule als weit verbreitet, ihr Bestand wurde auf 200’000 Tiere geschätzt. Nur 28’000 Vögel sind es tatsächlich. Jetzt gelten Schneeeulen als «bedroht». In schlechten Jahren könnte der Bestand der arktischen Vögel auf 10’000 bis 14’000 Tiere fallen. Das hängt auch von dem Bestand ihrer Hauptbeutetiere, den Lemmingen, ab. Deren Vorkommen schwanken durch die Klimakrise ebenfalls.

Gewinner 2018
Bienenfresser: Der Bienenfresser hat eine Vorliebe für Bienen, Hummeln und Grossinsekten. Jahr für Jahr pendelt der Vogel zwischen der Subsahara-Afrika und Europa. In den 1990er-Jahren gab es hierzulande nur vereinzelte Individuen, heute brüten 53 bis 72 Paare. Steigende Temperaturen locken ihn in den Norden. Als wirklichen Gewinner der Klimaerwärmung kann man ihn trotzdem nicht bezeichnen. Seine enge Bindung an gefährdete Lebensräume, wie beispielsweise Kiesgruben, sowie das grosse Insektensterben, könnten den Höhenflug des Vogels jäh bremsen.

(Bild: © Michael Caroff) Der tatsächliche Bestand der Schneeeulen ist geringer als geschätzt

Tüpfelbeutelmarder: Der Tüpfelbeutelmarder starb vor 50 Jahren in Australien aus. Doch glücklicherweise hat der nachtaktive Einzelgänger in Tasmanien überlebt. Dort arbeitete der WWF Australien gemeinsam mit anderen Partnern seit Jahren daran, ihn auf dem Festland freizulassen. Im März war es soweit: Die ersten 20 Beutelmarder wurden in einem Nationalpark im Südosten Australiens frei gelassen. Im Sommer folgte die erfreuliche Nachricht des ersten Nachwuchses.

Kegelrobben in der Ostsee: 2018 wurde dort wieder ein Kegelrobben-Baby geboren, nachdem sie beinahe ausgerottet wurden. Internationaler Naturschutzarbeit ist es zu verdanken, dass sich heute wieder über 30’000 Kegelrobben in der Ostsee tummeln. Da an den Wurfplätzen in der nördlichen Ostsee immer mehr Gedränge herrscht, weichen einige Artgenossen in den Süden aus.

Berggorillas: Es geht bergauf mit dem Berggorilla. In den Bergwäldern rund um den Nationalpark Virunga im Grenzgebiet der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Uganda werden wieder mehr Berggorillas gezählt. Bei der letzten Untersuchung, 2018, zählten die Wissenschaftler 1000 Individuen. Deutlich mehr als 2010. Doch Wachsamkeit tut not: Wilderei, Krankheiten und Klimawandel bedrohen die haarige Verwandtschaft. Und über allem schwebt das Damoklesschwert der geplanten Ölförderung im Virunga-Nationalpark.

Westpazifischer Grauwal: Einst durchstreiften sie unsere Meere. Doch die Jagd auf ihren «Blubber», ihr Fleisch und Öl, dezimierte die Zahl der Grauwale erheblich. Der westliche Bestand des Grauwals hat sich laut der Roten Liste von «Vom Aussterben bedroht» auf «Stark Gefährdet» verbessert. Zurückzuführen ist dies auf weltweite Fangverbote seit 1980. Diese zeigen erste Wirkung.

WWF

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