Der Schweizer Museumspass feiert sein 30-jähriges Bestehen – und erreicht mit über 1,5 Millionen Eintritten einen neuen Rekord. Christiana Hanke, Präsidentin der Stiftung Schweizer Museumspass, spricht im Interview über den Wandel der Museumswelt, die wachsende Bedeutung kultureller Teilhabe und darüber, warum gerade jüngere Menschen wieder vermehrt Museen entdecken.

Der Schweizer Museumspass feiert sein 30-jähriges Bestehen – was bedeutet dieses Jubiläum für Sie?
Christina Hanke: Was 1996 durch die visionäre Kraft von Theo Wyler als Pionierprojekt begann, hat sich über drei Jahrzehnte zu einer tragenden Säule entwickelt, die das Ziel verfolgt, kulturelle Bildung und Vielfalt für jeden Menschen in unserer Gesellschaft unkompliziert und lebendig erfahrbar zu machen. Mit diesem Jubiläum feiern wir nicht nur 30-Jahre Museumspass, sondern auch einen neuen Rekord: 2025 generierte der Museumspass zum ersten Mal mehr als 1,5 Millionen Eintritte. Der Pass ist somit sowohl beim Publikum, welches damit kostengünstig in die Schweizer Museen kommt, wie auch für die Museen, welche dadurch zusätzliche Besucher/innen gewinnen, ein grosser Erfolg.
Wie hat sich der Museumspass in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt?
Die durch den Museumspass generierten Eintritte sind seit der Gründung – mal abgesehen von einem Rückgang während der Pandemie – jedes Jahr stetig gewachsen. Auch die Anzahl Museen, zu denen der Museumspass Zutritt gewährt sind jedes Jahr mehr geworden.
Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine?
Nach der Gründung waren die wichtigsten zwei Meilensteine die Integration des Museumspasses in die Raiffeisen-Mitgliederkarte sowie in das Swiss Travel System, mit dem Tourist-Innen mit ÖV die Schweiz bereisen können.
Hat sich die Rolle von Museen in der Gesellschaft in diesen 30 Jahren gewandelt?
Die Rolle der Museen ist die gleiche wie früher: die Vermittlung und Kultur von Wissen an die Bevölkerung. Wie die Museen dies machen, hat sich allerdings stark geändert: Viele Museen gehen heute sehr kreative Wege in der Vermittlung. Die Ausstellungen enthalten oft viele interaktive Elemente. Die Museen bieten Führungen und Audio-Guides, welche die Exponate aufspannende Weise dem Publikum näherbringen. Und auch für Familien wird viel mehr gemacht: Viele Museen bieten heute eigene Entdeckungs-Kits sowie Kreativ-Workshops für Kinder an.
Letztes Jahr wurden mit dem Museumspass erstmals mehr als 1,5 Millionen Eintritte generiert. Das entspricht einem Plus von 6 Prozent. Warum, glauben Sie, hat sich der Pass so lange erfolgreich gehalten?
Ich denke, dass der Erfolg des Museumspasses auf zwei Trends beruht: Generell sparen die Schweizerinnen und Schweizer in finanziell schwierigen Zeiten lieber an Konsumgütern und Kleidung als an Freizeit und Kultur, wie z.B. die Studie «Konsum Monitor 2026» aufzeigt. In Zeiten, in denen ein Grossteil der Bevölkerung seine Arbeitszeit vor dem Bildschirm verbringt, möchten die Menschen als Kontrast dazu in ihrer Freizeit mit Freunden und Familie etwas gemeinsam in der realen Welt erleben. Besonders naturwissenschaftliche und technische Museen konnten in den letzten Jahren einen grossen Zuwachs verbuchen, wie eine Studie des Bundesamtes für Statistik aufzeigte.
Welche Zielgruppen werden besonders gut erreicht – und welche weniger, respektive macht er Kultur für jüngere Menschen attraktiver?
Die typische Museumspass-Inhaberin ist heute eine Frau über 40. Durch unseren Social Media Wettbewerb zum Jubiläum – bei dem Besucher/innen ein Selfie oder Film mit ihrem Lieblingsexponat unter dem Hashtag #ILoveSwissMuseums posten und so Preise gewinnen können – hoffen wir, die Vielfalt der Schweizer Museen einem jüngeren Publikum noch näher zu bringen.

Welche Rolle spielt der Museumspass für die Förderung von Kultur?
Der Museumspass macht ca. 10 Prozent aller Museumsbesuche in der Schweiz aus. Es ist wie mit einem GA der SBB: Wer eins hat, nimmt öfter den Zug. Es ist das Gleiche mit dem Museumspass. Wenn man ihn hat, geht man vielleicht in die eine oder andere Ausstellung mehr, da sie im Pass inbegriffen ist.
Trägt der Pass zur kulturellen Teilhabe in der Schweiz bei?
Der Museumspass hat Partnerschaften mit Caritas Schweiz, Pro Senectute und REKA. Jedes Jahr vergeben wir über diese Organisationen kostenlose Eintritte im Wert von 100’000 Franken an Personen, welche sich den Museumsbesuch sonst nicht leisten könnten und erleichtern diesen somit die kulturelle Teilhabe.
Welche langfristigen Auswirkungen hatte der Museumspass auf die Schweizer Museumslandschaft?
Der Museumspass hilft auch kleineren Museen noch bekannter zu werden. Auf unserer Website und über unsere Social-Media-Kanäle kommunizieren wir regelmässig zu spannenden Ausstellungen und verhelfen so auch kleineren Museen zu mehr Sichtbarkeit.
Welche Aktivitäten stehen im Rahmen des Jubiläums dieses Jahr auf dem Programm?
Anlässlich des Jubiläums organisieren wir drei Aktivitäten:
- Den oben schon erwähnten Social-Media-Wettbewerb, bei dem sich Besucher/innen mit ihrem Lieblingsexponat fotografieren können und Preise gewinnen können.
- Eine Serie von Events, anlässlich von denen Schweizer Prominente ihren Blick auf ihr Lieblingsexponat teilen. Den Auftakt hat Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider gemacht, welche uns ihr Lieblingswerk von Sophie Täuber Arp im Kunstmuseum Bern gezeigt hat. Danach werden weitere Events mit Comedian Mike Casa, Spitzenkoch Christophe Schmitt, Nationalrätin Kathrin Bertschy, Rapper Tommy Vercetti sowie Literaturclub-Moderatorin Jennifer Khakshouri in Museen in der ganzen Schweiz stattfinden.
- Und zum Abschluss des Jahres werden wir im November den ersten Schweizer Museumspreis lancieren, bei dem das Publikum sein Lieblings-Museum auszeichnet – dieses Jahr in der Kategorie «beste Vermittlung für jung und alt».
Wie sollte sich der Museumspass in Zukunft weiterentwickeln?
Wir hoffen, die Bekanntheit des Museumspasses in den nächsten Jahren noch weiter zu steigern, so dass noch mehr Personen günstig in den Genuss des reichhaltigen Angebots der Schweizer Museen kommen.
Was wünschen Sie sich für die nächsten 30 Jahre des Museumspasses?
Wenn es mit dem Wachstum so weitergeht wie bisher, bin ich sehr zufrieden.
Interview: Corinne Remund
Fakten zum Museumspass damals und heute
1996 wurde die Stiftung Schweizer Museumspass gemeinsam mit dem Bundesamt für Kultur, Schweiz Tourismus und dem Verband der Schweizer Museen mit Sitz in Zürich gegründet. Die Stiftung bezweckt die Förderung der kulturellen Vielfalt und den Betrieb des Passes, der freien Eintritt in über 500 Schweizer Museen gewährt.
2025 zählten zu den meistbesuchten Museen der Museumspass-Inhaber/innen das Landesmuseum Zürich, das Kunstmuseum Bern, das Zentrum Paul Klee in Bern, Plateforme 10 in Lausanne sowie das Kunstmuseum Basel. Der Museumspass ist auch Teil des Swiss Travel System, mit dem Tourist/innen uneingeschränkt mit dem Zug die Schweiz bereisen können. Von diesen wurden das FIFA Museum in Zürich, das Matterhorn Museum in Zermatt sowie das Château de Chillon am Genfersee am meisten besucht. Der Museumspass ist auch Teil der kostenlosen Benefits für Raiffeisen Mitglieder.


