EU-Abkommen: Wohlstandswahrung oder Nivellierung nach unten?

    In der neuen Folge unseres TV-Talks zeigt sich: Unternehmer beurteilen die Chancen und Risiken der EU-Verträge unterschiedlich. Wenig Verständnis haben sie für die Juso-Initiative.

    Engagierte Debatte über die Juso-Initiative und die EU-Verträge: Hans-Jörg Bertschi, Silvan Wildhaber und Jan Atteslander. (v.l.)

    Unsere Zuschauer/innen und Leser/innen wissen, kennen, schätzen es: Das Talk-Format «Schweiz im Fokus» steht für aktuelle Themen und eine kontroverse Auseinandersetzung, die ein Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet, mit prominenten Gästen aller politischen Lager. In der jüngsten, von Philipp Gut moderierten Sendung stehen die EU-Abkommen im Zentrum einer animierten Debatte.
    Dabei zeigt sich: Wirtschaft und Unternehmertum sind sich nicht einig. Während Jan Atteslander vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und der Zürcher Textilunternehmer Silvan Wildhaber die Pro-Seite vertreten, wirbt der Aargauer Transportunternehmer Hans-Jörg Bertschi, der sich auch bei der EU-kritischen Unternehmervereinigung Autonomiesuisse engagiert, für ein Nein.

    «Bilaterale» oder «Rahmenabkommen»?
    Die Befürworter versprechen sich geregelte Beziehungen zum wichtigsten Handelspartner der Schweiz und sprechen von einer «Stabilisierung des bilateralen Wegs». Hans-Jörg Bertschi widerspricht schon bei der Begrifflichkeit: Es handle sich nicht um «Bilaterale III», sondern um Verträge mit starken institutionellen Elementen, durch welche die direkte Demokratie der Schweiz geschwächt würden, also um einen Rahmenvertrag 2.0.
    Bertschi führt weiter ins Feld, dass die Schweiz in sämtlichen wichtigen Kennzahlen der EU voraus sei. Eine Anbindung an das sinkende Schiff Brüssel käme deshalb einer Nivellierung nach unten gleich.
    Für Atteslander und Wildhaber ist der reibungslose Waren- und Personenverkehr mit der EU hingegen Voraussetzung für anhaltendes Wachstum. Dies gelte umso mehr in einem von zunehmenden Unsicherheiten geprägten geopolitischen Umfeld.

    Hohe soziale Mobilität
    Weitgehende Einigkeit herrschte demgegenüber bei der Juso-Initiative. Diese stelle eine Gefahr für Familienunternehmen dar und würde letztlich sogar – kontraproduktiv – zu weniger Steuereinnahmen führen.
    Die Initiative gibt allerdings Anlass, über grundsätzliche Fragen von Arm und Reich nachzudenken. Es stimme nicht, dass die Reichen auf Kosten der Armen reicher würden, betonen die Talkshow-Gäste. Wichtig sei insbesondere die soziale Mobilität, also die Aufstiegschancen für alle Gesellschaftsschichten. Und die sei in der Schweiz ausserordentlich hoch.

    Aber bilden Sie sich selbst ein Urteil!

    Philipp Gut

    Die Sendung wird unterstützt durch:

     

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