Das Jahr 2025 hat sich für die Schweizer Weiterbildungsbranche als stabil bis moderat positiv erwiesen – allerdings unter deutlich verschärften Wettbewerbsbedingungen. Gemäss Erhebungen des SVEB-Branchenmonitors 2025 bewerteten viele Weiterbildungsanbieter sowohl die Nachfrage als auch die Angebotsentwicklung insgesamt günstig. Wir blicken aber nicht nur zurück, sondern auch in die nahe Zukunft.

Im Branchenmonitor 2025 des Schweizerischen Verbandes für Erwachsenenbildung SVEB fällt auf, wie hoch die Nachfrage war für praxisnahe, berufsbezogene Formate sowie flexible Lernangebote, die sich mit beruflichen und privaten Verpflichtungen vereinbaren lassen. Aber: Ein prägendes Merkmal des Jahres 2025 war der hohe Wettbewerbsdruck. Der Markt zeigte sich weiterhin stark fragmentiert, mit einer grossen Angebotsvielfalt und zunehmendem Preisdruck. Viele Institutionen waren gefordert, ihre Profile zu schärfen und sich klarer zu positionieren – sei es über Spezialisierungen, Qualitätslabels oder innovative didaktische Konzepte. Qualifizierte Kursleitende und Fachpersonen waren in diesem Zusammenhang sehr gefragt, was sich auf Planungssicherheit, Angebotsausbau und teilweise auch auf die Qualitätssicherung auswirkte. Hinzu kamen steigende Kosten in Bereichen wie Infrastruktur, IT und Administration, die den finanziellen Spielraum zusätzlich einengten.
Im Ausblick auf 2026 überwiegt in der Branche ein vorsichtig optimistischer Grundton. Viele Anbieter rechnen mit einer stabilen bis leicht steigenden Nachfrage, insbesondere in Bereichen wie berufliche Höherqualifizierung, Führung, Digitalisierung und lebenslanges Lernen. Gleichzeitig wächst der Druck, Angebote noch stärker an den konkreten Bedürfnissen von Teilnehmenden und Arbeitgebenden auszurichten. Erwartet werden kürzere, modular aufgebaute Formate, hybride Lernsettings sowie klar ausgewiesene Kompetenzgewinne und Transfernutzen.
Zunehmend an Bedeutung gewinnt auch der strategische Umgang mit technologischen Entwicklungen, insbesondere mit künstlicher Intelligenz. Für 2026 rechnen viele Weiterbildungsanbieter damit, dass KI sowohl in der Kursgestaltung als auch in der Organisation und Administration eine wichtigere Rolle spielen wird. Dies eröffnet Effizienzpotenziale, erfordert aber gleichzeitig Investitionen in Know-how, Qualitätsstandards und ethische Leitlinien. Insgesamt zeigt sich: Die Weiterbildungsbranche startet mit realistischen Erwartungen in das Jahr 2026. Wachstumspotenziale sind vorhanden, doch der Erfolg wird weniger über reine Angebotsausweitung entschieden als über klare Positionierung, Professionalität und Innovationsfähigkeit. Anbieter, die Qualität sichtbar machen, ihre Zielgruppen präzise ansprechen und sich strategisch weiterentwickeln, dürften auch im anspruchsvollen Marktumfeld der kommenden Jahre bestehen.
Wir haben uns mit Daniel Herzog, Co-CEO und Mitgründer der Lernwerkstatt Olten LWO und anerkannten Fachexperten in diesem Bereich unterhalten:
Daniel Herzog, was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Erkenntnis aus dem SVEB-Branchenmonitor 2025?
Gemäss dem Branchenmonitor hat sich der reine Online-Unterricht noch nicht in dem Rahmen durchgesetzt, wie man es nach der Corona-Pandemie erwartet hätte. Interessanterweise machen wir bei der Lernwerkstatt jedoch andere Erfahrungen. Der Lehrgang «HR-Assistent/in HRSE» beispielsweise, der zu 100 % online per Zoom angeboten wird, erfreut sich einer sehr guten Nachfrage. Auch bei den Coaching-Lehrgängen sind diejenigen, die zu 100 % online stattfinden, immer ausgebucht.
Interessant finde ich auch die Aussage, dass viele Anbieter Probleme haben, geeignetes Weiterbildungspersonal zu rekrutieren. Wir machen hier gegenteilige Erfahrungen. Die Zahl der sehr guten Initialbewerbungen übersteigt unseren Bedarf bei Weitem.
Wie schätzen Sie die Entwicklung der Weiterbildungsnachfrage für 2026 ein?
Ich denke, dass sich die Gesamtnachfrage nicht stark verändern wird. Es wird jedoch mit Sicherheit zu Marktanteilsverschiebungen unter den Anbietern kommen. Kleinen Schulen wird es zunehmend schwerfallen, sich zu behaupten, wenn es ihnen nicht gelingt, eine Nische zu besetzen. Dies zeigt auch der Branchenmonitor: Viele Anbieter spüren zunehmenden Wettbewerb- und Konkurrenzdruck.
Worin sehen Sie die Hauptgründe dafür?
Viele Anbieter buhlen um dieselben Kundensegmente. Wer in den letzten Jahren seine Hausaufgaben gemacht hat, ist nun im Vorteil. Investitionen in Mitarbeitende, Qualität, Marketing, Beratung und Digitalisierung zahlen sich jetzt aus. Wer seine Angebote skaliert, hat mehr Mittel zur Verfügung, die er wiederum investieren kann. So wird die Kluft immer grösser. Ich gehe davon aus, dass es bei privaten Anbietern in den nächsten Jahren zu einer grösseren Marktbereinigung kommen wird.
Welche Trends in Digitalisierung und neuen Lernformaten werden 2026 entscheidend sein?
Die künstliche Intelligenz und die Digitalisierung machen auch vor der Bildungsbranche nicht halt. Bei der Lernwerkstatt haben wir im vergangenen Jahr beispielsweise den digitalen Beratungsassistenten «Lernfux» in Betrieb genommen, da wir wissen, dass junge Menschen nicht mehr gerne telefonieren. Dieser Chatbot liefert erstaunlich gute Antworten auf die gängigsten Kundenfragen. Im Jahr 2026 folgen dann digitale Lernassistenten, welche den Unterricht ideal ergänzen sollen. Auch im Back Office schreitet die Digitalisierung schnell voran. Mitte des Jahres geht unser neues ERP-System online. Das einzige Papier, das wir dann noch drucken, sind die Zertifikate und Diplome.
Bei den Lernformaten erwarten wir einen Trend zu adaptiven Lernsystemen, die sich den Bedürfnissen der einzelnen Studierenden individuell anpassen. Die grosse Herausforderung besteht hier darin, den Überblick über die ständig wachsende Zahl von Tools zu behalten und im richtigen Moment entsprechende Angebote zu platzieren.
Ist KI somit ein Treiber oder eher ein Störfaktor im aktuellen Marktgefüge?
Das kommt ganz auf die Sichtweise an. Als grosser Anbieter, der viel in neue Technologien investieren kann, erachten wir die KI als Chance. Kleinere Anbieter werden das wahrscheinlich anders sehen. Einige von ihnen werden den Anschluss verpassen.
Der Branchenmonitor zeigt, dass Qualität und Reputation stärker denn je zählen.
Was bedeutet das konkret für Anbieter?
Es bedeutet in die Qualität zu investieren. Das führt zu einer positiven Reputation. Begeisterte Kundinnen und Kunden empfehlen den Anbieter weiter. So gewinnt die Lernwerkstatt beispielsweise über 80 Prozent ihrer Neukundinnen und -kunden über Empfehlungen. So kann der Grossteil das Marketingbudgets in neue Angebote oder Märkte fliessen.
Welche Rolle spielen Preisgestaltung und Transparenz heute im Wettbewerb?
Aus Sicht der Kunden muss das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmen. Die absolute Höhe des Preises ist dabei weniger relevant. Mithilfe von KI wird das Weiterbildungsangebot immer transparenter. Hier gilt es, die eigenen Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten und zu kommunizieren.
Welche Fähigkeiten werden Weiterbildungsanbieter in den nächsten zwei bis drei Jahren unbedingt brauchen?
Benötigt werden hohe Kompetenzen in den Bereichen Bildungsentwicklung, Personalentwicklung, Qualitätsmanagement, Marketing, Beratung und Digitalisierung. Zudem sind ein feines Gespür für die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden, Marktkenntnisse und Schnelligkeit am Markt gefragt. Und rechnen sollte man auch können (lacht).
JoW



