Muttenz – Hotspot für ICT Talente

Selbstgesteuertes, kreatives Arbeiten im ICT Campus

In Muttenz startete eines der spannendsten Projekte zur Förderung von jungen ICT Talenten. Die von ICT Scouts gefundenen Talente treffen sich jeden zweiten Samstag, um an verschiedensten Projekten zu arbeiten. Der Campus ist ein grosser Erfolg und Muttenz erwies sich als Top Standort. Nun eröffnet am 15. Juni 19 der ICT Campus Bern seine Tore. Pro Jahr sind mindesterns zwei weitere Standorte geplant. Zunächst Zürich, dann Visp, Lenzburg, Winterthur und weitere.

(Bilder: zVg / ICT Campus / D. Strobel) Typische Szene an einem der Samstag Vormittage im ICT Campus Muttenz. Selbstgesteuertes, kreatives Arbeiten an eigenen Projekten wird gefördert. Wer Support oder Tipps braucht oder möchte, dem wir geholfen.

Im ICT Campus Muttenz geht es jeden zweiten Samstag hoch zu und her. Über hundert ICT Interessierte – alles gescoutete ICT Talente – bauen Roboter, entwickeln eigene Games, löten Platinen, erstellen Websites und sind kreativ. Alle verzichten freiwillig auf den freien Samstagmorgen, auf das Ausschlafen und auf andere Freizeitaktivitäten. Kein Wunder, denn es wird etwas geboten: Die Förderung von Kreativität und ICT Fachwissen ist das eine. Wichtig ist auch, dass der ICT Nachwuchs im Zeitalter der Digitalisierung und Transformierung der Arbeitswelten gut begleitet wird. Wer beim ICT Campus dabei ist, macht dies schulbegleitend während drei Jahren. Die Plätze sind sehr begehrt. Ziel und Zweck ist es im Endeffekt, den Jugendlichen die Bandbreite der beruflichen Möglichkeiten aufzuzeigen, Interessen individuell zu fördern und sie auf die Anforderungen der verschiedenen Berufsbilder realitätsnah einzustimmen und vorzubereiten. Ganz spannend ist zudem: Der Campus vernetzt Firmen und höhere Schulen mit ihren zukünftigen Lernenden und Studierenden. Die Teilnahme am ICT Campus ist übrigens gratis.

Über hundert ICT Talente aus der Region, die von ICT Scouts entdeckt wurden, strömen jeweils jeden zweiten Samstag Vormittag zum Campus. Die Talente wissen, dass sie privilegiert sind und zeigen dementsprechend viel Initiative und Engagement. Die Begeisterung für die Projekte ist gross.

Ähnliches Modell wie bei der Nachwuchsförderung im Sport
Dominik Strobel, Projektleiter Marketing & Kommunikation des ICT Campus’: «Unser Initiant Rolf Schaub erklärt unser bestreben ganz treffend: Was wir hier tun, ist eine neuartige, systematische Informatik Talentsuche an den Volksschulen durch ICT Scouts mit anschliessender kontinuierlicher Förderung im Campus. Nicht unwichtig ist die Vermittlung der Talente an die künftigen Lehrbetriebe und Ausbildungsinstitutionen. Das Konzept lehnt sich stark an das Modell der Nachwuchsförderung im Sport, wo Talente bereits in jungen Jahren gezielt gesichtet und danach gefördert werden.»

Kein Bildungs- sondern ein Freizeit Förderprogramm
Das Projekt diene der Bewältigung eines Wohlstand-relevanten, gesellschaftlichen Problems im Bildungsbereich, fügt Strobel hinzu. Es sei an sich jedoch kein Bildungs- sondern ein Freizeit Förderprogramm. «Talente werden nach keinen anderen Kriterien als Eignung und Motivation ausgesucht.» Auch beim ICT Campus trägt man einem Trend Rechnung, wonach sich immer mehr Mädchen, Teenagerinnen und junge Frauen für das Thema ICT interessieren und sich eine berufliche Zukunft in diesem Branchenumfeld vorstellen können. Schon die Tatsache, dass der Anteil an jungen Gymnasiastinnen und Sekundarschülerinnen beim Wahlfach MINT in den Schulen steigt, macht diesen Trend deutlich. Dementsprechend sagt auch Dominik Strobel: «Ein Anteil von 50 Prozent Mädchen im ICT Campus ist bloss eines von mehreren Diversitäts-Merkmalen.» Mit dieser Begründung von Jury und Publikum wurde ICT Scouts/Campus am Wunsch Schloss Ideen Wettbewerb 2018 zum Sieger erkoren, als die beste Lösung damit «Digitalisierung für alle zur Chance wird». (www.wunsch-schloss.ch/#vorjahressieger)

«Ich verzichte gerne auf Faulenzen und Ausschlafen, wenn ich dafür zum ICT Campus gehen darf» – solche Aussagen hört man oft von den teilnehmenden Talenten.

«Selbstgesteuert, allein oder in Teams an Projekten arbeiten…»
Die ICT Scouts kümmern sich intensiv um ihre Talente. Sie besuchen alle Leistungszüge. Besonderes Merkmal, und oft falsch verstanden werde, dass der Campus kein Schulbetrieb sei, so Strobel. Er habe keine Bildungsangebote, keinen Lehrplan oder Lernziele. «Es handelt sich um eine Art betreute Werkstatt, in welcher die Jugendlichen zwar betreut aber ansonsten weitgehend selbstgesteuert, allein oder in kleinen Teams, an ihren eigenen Projekten arbeiten.»

In einem dreijährigen Pilotprojekt konnte gezeigt werden, dass das Förderkonzept ein dringendes Bedürfnis anspreche, dass die Umsetzung realistisch, und die Lösung greifbar sei, so Strobel weiter. «Mit Lösung ist hier eine flächendeckende Ausschöpfung des ICT/MINT Potentials der Schweiz gemeint. Das Förderkonzept ist ‹schlüsselfertig›, was so viel heisst wie, es ist ‹nur› eine Frage der Finanzierung wie viele ICT Campi wo und wie schnell eingerichtet werden können. Im Klartext, der Förderverein braucht Mitglieder, namentlich Lehrbetriebe, die von einer grösseren Auswahl an Informatik Talenten auf höherem Niveau zu geringeren Kosten profitieren, aber auch Sponsoren die sich mit dem ‹coolsten ICT Förderprogramm der Schweiz›, so Rolf Schaub, Initiant des Programmes, assoziieren möchten.»

Das Förderprogramm wurde durch Unterstützungsbeiträge des SBFI, des Eidgenössischen Gleichstellungsbüros (EBG), dem Kanton Baselland und diverser Stiftungen wie Gebert Rüf, Hasler, Ernst Göhner und Markant aufgebaut. Um seine wichtige Aufgabe weiterhin und nachhaltig erfüllen zu können, ist es auf einen breit abgestützten Mix von Unterstützern aus allen gesellschaftlichen Bereichen angewiesen.

Text: JoW
Mitarbeit/Recherche: Daniele Ciociola

ICT Campus Facts
Ein Campus Besuch lohnt sich. Was man unter selbstgesteuerte Arbeit versteht, erkennt man erst richtig, wenn man die rund100 Jugendlichen bei Ihrer Arbeit erlebt hat.

Weitere Infos:
www.ict-scouts.ch
www.youtube.com/channel/UCefqDY_SU7U2deP-9hWK8Cw


ICT Fachkräftemangel – Weiterbildungsinstitute sind gefragt

Der letzte Fachkräftemangel-Index des Stellenvermittlers Adecco in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich zeigte auf, in welchen Bereichen bereits heute besonders viele Fachkräfte fehlen. Auf Platz zwei der Rangliste befinden sich technische Berufe. Dies erstaunt, denn die Nachfrage nach Technikerinnen und Technikern ist enorm. Wo jedoch der Schuh drückt, zeigt sich an einem bestimmten Punkt. Es wird ganz gezielt nach Leuten gesucht, die «neues Wissen» haben und sehr praxis­orientiert ausgebildet wurden. Davon gibt es noch nicht genug. Dies bestätigt auch Terry Tschumi von der TEKO Basel. Die Höhere Fachschule ist spezialisiert auf die Ausbildung von Techniker/innen HF und hat einen ausgezeichneten Ruf bezüglich moderner, parxisorientierter Ausbildung: «Wer jetzt eine Ausbildung zur beziehungsweise zum Wirtschaftsinformatiker/in, Techniker/in – unter anderem auch im Fachbereich Energie und Umwelt – zur oder zum Ingenieur/in oder sich für eine Karriere als Technische(r) Kauffrau/Kaufmann entscheidet, hat vorerst eine gute Wahl getroffen. Es ist jedoch wichtig, dass die Aus- und Weiterbildungsinstitute sich an den Bedürfnissen des Marktes ausrichten. Absolventinnen und Absolventen müssen heute zwingend vernetzt denken und handeln und aktualisiertes Wissen in die Praxis umsetzen können. Solchen Anforderungen muss man heute als Schule gerecht werden. Das tun wir in natürlich auch in unserem Ausbildungsbereich Technik.» Siehe: www.teko.ch/de/top/technik.

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