Jobradar 2019: Die grosse Chance für «Niedrigqualifizierte»?

Neue Rekordzahl an ausgeschriebenen Stellen – aber die gute Nachricht hat einen «Haken»

Über 188’000 Stellen sind seit Mitte Dezember 2018 online ausgeschrieben. Der Rekord von 2017 mit 164’886 ist damit geknackt. Ein gutes Zeichen oder hat diese an sich positive Nachricht einen «Haken»?

(Bild: TEKO Basel) Techniker/innen HF (im Bild: TEKO Basel HF Absolvent) sind besonders gefragte Fachleute. Vor allem jene, die sich als Techniker/innen weiterbilden, haben gute Perspektiven.

Wir haben es bereits an dieser Stelle im Dezember 2018 in einem umfassenden Dossier publiziert: Die Arbeitgebenden in der Schweiz kämpfen mit einem grassierenden Fachkräftemangel. Und dies, obwohl eigentlich genug Stellen zu besetzen wären. Der Grund: Die Fähigkeiten vieler Protagonisten oder Postulenten für einen Posten als Fachkraft genügen nicht den heutigen Anforderungen. Vernetztes Denken und Fachkenntnis auf neustem Stand sind heute ein absolutes Muss.

Der Jobradar von X28, der per Suchmaschine die Firmenwebsites und Jobportale für die gesamte Schweiz erfasst, zeigt, wo und wie viele Jobs aktuell verfügbar, beziehungsweise zu besetzen wären. In vielen Branchen wird Personal intensiv gesucht. Besonders in der Medizinal- und Gesundheitsbranche, im Informatikbereich und im Ingenieurswesen. Pflegepersonal, Bauarbeiter und Informatiker (Wirtschaftsinformatiker im Speziellen) sind gesucht und auch Kräfte für den Detailhandel, die öffentliche Verwaltung oder in der Architektur/Planung. In der öffentlichen Verwaltung will man zunehmend aufstocken mit Leuten, die sich auch im Bereich des E-Government auskennen oder weiterbilden lassen.

(Bild: Fotolia) Techniker/innen in Energie und Umwelt sowie Handwerker/innen sind begehrt

Jobsituation in der Region Basel gleicht Abbild der Schweiz
Unsere Recherche auf den gängigen und beliebtesten Plattformen für Jobsuchende und –Anbieter zeigt folgendes Bild für die Region Basel: Im Berufsfeld Administration/HR/Consulting sind über 900 Stellen zu besetzen. In der Telekommunikation und Informatik sucht man gegenwärtig nach fast 800 Leuten. In der Pflege/Medizin und Therapie/Psychologie sind über 800 Stellen frei. Auch im Bau/Architekturwesen und Engineering werden derzeit fast 800 Leute gesucht. Im Verkauf- und Kundendienst, Innendienst und Beratung werden über 650 Leute benötigt. Technische Berufe sind ebenfalls im Kommen wie natürlich auch der Bereich der Produktion im Gewerbe und in der Automobilbranche.

Viele Talente werden die Gunst der Stunde nutzen
Der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt setzt sich also fort. Zumindest vordergründig. Wo ist nun aber der «Haken» an der ganzen Sache? Da nun aufgrund des Angebots und der Besetzungsschwierigkeiten in einigen Branchen für gewisse Aufgaben auch Leute ohne fundierte Fachkenntnisse rekrutiert werden, bietet sich – anders als beim Fachkräftemangel-Phänomen und der Suche nach absoluten Top- Fachkräften – Platz für Kompromisse. So genannte «Niedrigqualifizierte» erhalten ihre Chance. Das Gute daran: Viele «Perlen» und Talente, die aufgrund ihres beruflichen oder schulischen Curriculum Vitae früher keine Chance erhielten, können sich nun «on the job» beweisen. Viele dieser «schlummernden Talente» werden ihre Chance nutzen. Der «Haken» hat also auch einen guten Nebeneffekt.

(Bild: PEXELS) Techniker und Ingenieure gehören gemäss aktuellem Jobradar zu den meistgesuchten Fachkräften

Im Baugewerbe und im Detailhandel ist dieser Umstand am deutlichsten zu beobachten. Im Vergleich zu Mitte Dezember 2017 haben die offenen Stellen gesamtschweizerisch für Bauarbeiter mit einem Plus von rund 4000 am stärksten zugenommen. Auch Handwerker sind sehr gesucht. Auffällig ist, dass auch im Detailhandel deutlich mehr Mitarbeiter gesucht werden (plus knapp 3000).

Stark zugenommen haben die Stelleninserate auch im Gesundheitswesen (plus 2200) und in der Gastronomie/Hotellerie (plus 2000). Bei den Fachkräften sind Installateure, Techniker/innen (besonders im Bereich Energie und Umwelt), Raumplaner/innen, Führungsleute in der betrieblichen Verwaltung oder Biotechniker/innen äusserst begehrt.

Die Folge von alledem: Die Zahl der Arbeitslosen ist auf sehr tiefem Niveau. Die entsprechende Quote stieg im November 2018 zwar minimal auf 2,5 Prozent, nachdem sie seit Mai bei 2,4 Prozent verharrt hatte. Bereinigt um saisonale Effekte nahm sie jedoch von 2,5 auf 2,4 Prozent ab.

Auch mittelfristig gute Prognosen
Die im Sommer 2018 eingeführte Stellenmeldepflicht («Inländervorrang light» siehe: https://www.arbeit.swiss/secoalv/de/home/menue/unternehmen/stellenmeldepflicht.html und https://baslerwoche.ch/news-item/stellenmeldepflicht/) habe auch einen Einfluss auf die Entwicklung, sagen die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV). Die bei den RAV gemeldeten offenen Stellen im Juli 2018 (13’150) nahmen seither zu (rund 30’000), wobei 14’284 der Stellen der Meldepflicht unterstanden. Die Meldepflicht wurde gut umgesetzt, wobei die Zahl der neu gemeldeten Stellen unsere Erwartungen übertreffe, wird berichtet. Erfreulich sei zudem, dass auch rund 2’000 zusätzliche Stellen im Bereich der nicht meldepflichtigen Stellen bei den RAV gemeldet wurden. Eine genaue Analyse werde aber erst gemacht, wenn man zwölf Monate Erfahrung mit dem neuen System habe.

Fachleute rechnen auch mittelfristig mit einem Wachstum bei der Beschäftigung. Allerdings dürfte das nicht mehr so stark ausfallen, denn die Konjunktur sollte sich – so liest man in den Studien und Analysen – etwas abkühlen. Statt 2,6 Prozent Wirtschaftswachstum wie noch 2018 werden 2019 noch 1,5 Prozent erwartet.

JoW, div. Quellen

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