Langfinger-Alarm vor dem «Fest der Liebe»

Weihnachtsmärkte sind auch heuer das Highlight des Jahres für Kriminaltouristen

Erneut werden rund eine Million Besucherinnen und Besucher am Basler Weihnachtsmarkt erwartet. Kurz nach der Herbstmesse winkt für die Langfinger-Fraktion eine erneute Top-Gelegenheit, sich auf Kosten anderer zu bereichern. Die Weihnachtsmärkte vom 22. November bis 23. Dezember 2018 sind hierbei für einige Kriminaltouristen und Diebesbanden sogar das «Saison-Highlight».

(Bild: Bilddatenbank Basel-Stadt) Trickbetrüger/innen und Taschendiebe finden an den Weihnachtsmärkten ihr ideales Betätigungsfeld, um ihre moralisch zweifelhaften Fertigkeiten zu beweisen

Der Basler Weihnachtsmarkt auf dem Barfüsserplatz und Münsterplatz gilt als einer der schönsten und grössten der Schweiz. Kein Wunder werden wiederum 2018 sehr viele Gäste – auch angereiste – erwartet. Sehnsüchtig erwartet werden sie und natürlich auch die einheimischen Weihnachtsmarkt-Besucher/innen auch von anderen «angereisten Gästen»: Den Kriminaltouristen. Als Trickbetrüger/innen und Taschendiebe finden sie ihr ideales Betätigungsfeld, um ihre moralisch zweifelhaften Fertigkeiten zu beweisen. Auch wenn 2018 gemäss bisheriger Statistik (erstes Halbjahr 2018) – im Gegensatz zu Raub- und Entreissdiebstähle (+ 20 Prozent) – eine deutliche Abnahme an Einschleich- und Einbruchs- sowie Taschendiebstählen zu vermerken ist (30 Prozent weniger als 2017), so wird dennoch der Monat Dezember die Statistik neu «beleben». Immerhin sind an Fasnacht und Herbstmesse die Vorfälle zurück gegangen – auch aufgrund der diversen Präventionskampagnen der Basler Polizei. Festgestellt wurde zudem, dass die Präventionsmassnahmen greifen und sich dies in der «Szene» herum gesprochen hat.

Nichts desto Trotz: An Weihnachtsmärkten haben für gewöhnlich die Gäste etwas mehr Geld dabei als im Normalfall. Schliesslich gilt es, von der Gelegenheit zu profitieren und wenn möglich den Ausflug an den Weihnachtsmarkt auch noch mit Weihnachtseinkäufen zu verbinden. Für Langfinger und Trickbetrüger-Banden sind diese Situationen gerade deswegen nach wie vor hoch interessant. Vielleicht sogar noch interessanter als beispielsweise die «drey scheenschte Dääg» an der Fasnacht oder die Basler Herbstmesse.

Je dreister, desto unerwarteter…
So wird Jahr für Jahr sensibilisiert und gewarnt, denn die trickreichen Betrügerinnen und Betrüger lassen sich immer wieder etwas einfallen. Nach dem Motto «Tasche zu und Augen auf!» warnt die Polizei in der Region, denn das Vorgehen einzelner Banden wird immer dreister. Sie seien absolute Profis, warnen beispielsweise die Zuständigen der Kriminalprävention der Basler Polizei. Zu den organisierten und oftmals aus Osteuropa stammenden Banden gehören nämlich auch immer öfter Kinder und junge Frauen. Sie sind speziell auf Ablenkungsmanöver geschulte Jugendliche und Kinder. Besonders frech ist der Spendentafel-Trick: Die Trickdiebe halten ahnungslosen Passanten eine Spendentafel entgegen. Sobald jemand das Portemonnaie zückt und nach Kleingeld kramt, wird ihm die Tafel vor das Gesicht gehalten. Unter der Tafel ziehen die Diebe dem Ahnungslosen dann unbemerkt Geldscheine aus dem Portemonnaie heraus. Bekannter, aber dennoch immer noch effizient sind der Missgeschick-Trick (Passanten werden von den Trickdieben scheinbar ungewollt angerempelt. Zeitgleich werden die Kleider der Passanten durch die Diebe mit Speisen beschmutzt) und der Stadtplan-Trick. Bei ersterem wird das Opfer – häufig nach einem Bankbesuch – mit Ketchup oder einem Getränk bekleckert und beim wortreichen Reinigungsversuch bestohlen. Dabei kommt es paradoxerweise sogar vor, dass man sich sogar noch für das Missgeschick entschuldigt, während man um seine Wertsachen entledigt wird. Wie beim «Missgeschick» operieren die Missetäter/innen beim Stadtplan-Trick meist zu zweit. Ebenfalls gemein ist der so genannte Einkaufswagen- oder Kindersitz-Trick. Für einen kurzen Moment wendet sich das Opfer im Supermarkt einem im Regal stehenden Produkt zu. Der Dieb schnappt sich beim Vorbeigehen unbemerkt die Wertsachen aus der Tasche. Zu den «Klassikern» zählen auch der Wechselgeld-Trick oder der Rempeltrick. Hier wird das Opfer im Gedränge angestossen oder in die Zange genommen. Der Vordermann bückt sich zum Beispiel oder bleibt abrupt stehen. Während das Opfer abgelenkt ist, greift ein Komplize in die Tasche.

(Bild: Fotolia) «Tasche zu, Augen auf» – Das ist das Motto um den Taschendiebstähle entgegen zu wirken

Ablenkungsmanöver erkennen
Die Kriminalprävention rät deshalb, sich nicht ablenken zu lassen. Oft wird man von den Langfingern genau zu einem bestimmten Zeitpunkt (beim Zahlen an einem Stand zum Beispiel) auch des Rempelns beschuldigt oder es wird beleidigt in der Hoffnung, dass man reagiert und einen Moment nicht aufpasst. Leichte Beute hätten die Taschendiebe vor allem auch, wenn Passanten irgendwo anstehen. Aber auch, wenn Menschen in das Tram ein- oder aussteigen, an einer Bushaltestelle warten oder gebannt einem Strassenmusiker zuschauen. Es gibt einige einfache Massnahmen, um das Risiko zu minimieren wie beispielsweise Umhänge- und Handtaschen vorne und nah am Körper zu tragen. Weihnachtsmarktbesucher sollten nur das Notwendigste an Bargeld oder Zahlungskarten dabei haben und Geld sowie Papiere getrennt in verschiedenen verschlossenen Innentaschen tragen. Handtaschen sollten stets geschlossen und mit dem Verschluss am Körper getragen werden. Ausserdem: Die PIN der Kreditkarten sollte niemals im Portemonnaie und schon gar nicht auf der Zahlungskarte notiert werden. Passiert es dennoch, kann man die Straftat bei der Polizei anzeigen, die auf vielen Weihnachtsmärkten präsent ist. Um sich bei einem Diebstahl vor Abbuchungen zu schützen, sollten alle Bankkarten über die entsprechenden Service-Nummern der Banken und Institute umgehend gesperrt werden. Opfer sollten in den nächsten Wochen dann auch sorgfältig ihre Kontobewegungen im Auge behalten und unrechtmässige Lastschriften zurückbuchen lassen.

JoW


Nützliche Tipps von der Polizei

  • Nehmen Sie nur soviel Bargeld mit, wie Sie benötigen oder ausgeben wollen. Hohe Beträge sollten per Rechnung oder mit der Kreditkarte beglichen werden. Informationen zum bargeldlosen Zahlungsverkehr erteilt jede Bank.
  • Tragen Sie Notizzettel mit Codes von Kreditkarten etc. nicht zusammen mit Bank- und Kreditkarten oder Ausweisen im Portemonnaie. Schreiben Sie die Codes auf keinen Fall auf die Bankkarten. Melden Sie den Verlust von Zahlungskarten unverzüglich der jeweiligen Ausgabestelle.
  • Beim Geldbezug ab Bancomat ist eine gesunde Portion Vorsicht geboten. Es empfiehlt sich, gut zu beobachten, ob sich verdächtige Personen in der Umgebung aufhalten. Täter beobachten mit Vorliebe ältere Leute und versuchen, ihnen später das Geld mittels Trickdiebstahl abzunehmen.
  • Vorsicht im Gedränge auf Plätzen, an Haltestellen, in Fahrzeugen des öffentlichen Verkehrs, in Bahnhöfen oder Einkaufszentren. Taschendiebe sind an solchen Stellen besonders aktiv.
  • Lassen Sie keine Wertsachen unbeaufsichtigt in Anprobe-Garderoben zurück.
  • Ein Phänomen neueren Datums ist, dass die Täter ihre Opfer anrempeln und anschliessend den kurzen Moment der Verwirrung nutzen, um die Geldbörse zu entwenden. Die Polizei Basel-Landschaft ruft daher zu Vorsicht in grösseren Menschenansammlungen (beispielsweise an Weihnachtsmärkten), in Fussgängerzonen oder in Einkaufszentren auf.
  • Trickdiebe gehen auf «Tuchfühlung». Halten Sie Fremden gegenüber Abstand. Das Entfernen einer absichtlich herbeigeführten Verschmutzung Ihrer Kleider oder eine körperliche Berührung kann ein Ablenkungsmanöver oder ein Trick sein, um an ihr Geld zu gelangen.
  • Geben Sie die Brieftasche oder das Portemonnaie beim Bezahlen an den Kassen nie aus den Händen oder legen Sie Geldbehältnisse nie auch nur für einen kurzen Moment ab.
  • Tragen Sie Ihr Geld mit Vorteil in verschliessbaren Innentaschen. Besonders gefährdet sind Geldbeutel in Gesässtaschen oder Brieftaschen und andere Wertgegenstände in offenen Taschen, Einkaufskörben oder Einkaufswagen.
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