«Bloss nicht in Schockstarre verharren!»

Krav Maga ist in der Region im Trend – das hat gute Gründe

Laura (14) und Clara(10) aus Münchenstein sind Schwestern und sie wissen, wie man sich verhält, wenn Gefahr droht. Das haben sie bei Peter Neumaier im Krav Maga- Selbstverteidigungskurs für Kinder und Jugendliche gelernt. Neben Sport, Spass und Spiel lernen sie dort, wie man reagieren sollte, wenn jemand ihnen gegenüber schlechte Absichten verfolgt.

(Bilder: zVg. Kindermagazin tut – www.tut.ch) Der Griff in die Augen und ins Gesicht. Diese Reaktion zeigt meistens schon starke Wirkung

Die 14jährige Laura aus Münchenstein ist ein sehr selbstbewusstes Mädchen. Sie betreibt «Krav Maga». Das ist eine in Israel entwickelte Selbstverteidigungsform, bei welcher die Techniken so trainiert werden, dass sie – wenn Notwendigkeit besteht – auf der Strasse anwendbar wären. Celia weiss, was zu tun ist, wenn jemand sie angreift: «Das Wichtigste ist, dass man nicht vor lauter Schock erstarrt und einfach gar nichts macht. Ich habe gelernt, instinktiv zu reagieren und mich zu wehren. Da gibt es einige sehr gute Möglichkeiten um nicht zum Opfer zu werden», sagt sie und ihre jüngere Schwester stimmt ihr zu: «Ja, man sollte auch keine Angst haben zu schreien und den Überraschungsmoment nutzen.» Ein Griff in die Augen, Kratzen im Gesicht, Knie- und Ellenbogenstösse, gute Deckung und vor allem verbale Deeskalationstechniken – damit kann man oft im ersten Moment eine Gefahr einigermassen abwenden. Aber, es ginge hier nicht um Kampfsport oder darum, wer hier nun stärker sei. Man solle auch nicht die Konfrontation suchen oder sich messen wollen, betont Lauras und Claras Trainer Peter Neumaier. «Bei uns heisst das Motto Gewaltprävention und Selbstwertstärkung. Wir machen hier keinen Kampfsport, es geht vor allem darum, dass sich Kinder bewusst sind, wie man schwierige Situationen rechtzeitig erkennen und heil wieder heraus kommen kann. In Hochstress-Situationen sind die Wahrnehmung und die physischen Möglickeiten nicht die gleichen, wie wenn man sich im Trainingsraum darauf vorbereiten kann.»

So schnell wie möglich aus der Gefahrenzone kommen
Deshalb betont Peter Neumaier: «Wir lehren den Kindern, dass sie sich so schnell wie möglich von der Gefahrenzone oder von den Angreifenden entfernen müssen. Für Zivilisten sind die Gefahren anders als bei der Polizei, beim Sicherheitspersonal oder im Militär. Wenn ein Konflikt entsteht, schiesst das Adrenalin hoch und man ist oft sehr überrascht und wie versteinert. In solchen Momenten aber müssen die Emotionen kontrolliert werden und im richtigen Moment sollen die Kinder das abrufen können, was sie bei mir gelernt haben. Das ist das wohl wichtigste Lernziel von allen.» Deshalb werden nur extrem einfache und reflexartig abrufbare Techniken trainiert, die auch in Hochstress-Situationen noch anwendbar sind.

Der erste Schritt ist die Deeskalierung. Trainer Peter Neumaier zeigt den Schülern wie es geht

Wichtig ist auch der Spass am Training bei Peter Neumaier. Laura und Clara, aber auch alle anderen «Krav Kids» und «Krav Teens» sind immer mit Eifer dabei und Peter Neumaier muss so einiges einstecken. Ohne Rücksicht dürfen die Kids auf ihn einschlagen. Auch wenn er mit einer Schutzweste und Helm mit Visier geschützt ist, so kriegt der erfahrene Selbstverteidigungsexperte dennoch einiges ab: «Ja, die Nase leidet da schon mal ab und zu», lacht er und meint, dass es ja auch ein gutes Zeichen sei. «Es ist anstrengend und sehr spannend. Aber wir haben grossen Spass, freuen uns immer mega auf das wöchentliche Training und merken an uns selbst die Wirkung. Ich gehe mit viel weniger Angst raus, vor allem wenn es dunkel wird. Ich habe auch meine Sinne geschärft», sagt Clara. Laura meint ausserdem schelmisch, dass in der Schule die anderen Kinder nun grossen Respekt vor ihr haben: «Das ist schon cool», grinst das 10jährige Energiebündel.

Krav Maga ist eine besondere Form der Selbstverteidigung. Sie wurde ursprünglich in Israel vom Militär entwickelt. In Europa wird das System kontinuierlich vom KRAV CORE Netzwerk weiterentwickelt und auf die Bedürfnisse von zivilen Anwendern angepasst.

Übung für den Ernstfall mit Komplettschutz für den Coach: Clara weiss instinktiv, was sie tun muss, sollte sie angegriffen werden

Umsetzungs- und Alltagstauglichkeit für Kinder und Jugendliche
Das Spezielle am Krav Maga ist die so genannte Alltagstauglichkeit. Man versucht, den Instinkt für das richtige Verhalten in den verschiedenen Stresssituationen zu trainieren. Für Privatpersonen wird Krav Maga zur Selbstverteidigung, zur Stärkung des Selbstvertrauens, zur Deeskalation und zur Stressresistenz mit einem Zusatznutzen für die Gesundheit und Fitness unterrichtet. «Ich habe nicht nur erfahren, wie man sich wehrt, einem Angriff ausweicht oder flieht, sondern auch viel über mich selbst gelernt», bilanziert Celia «das war eine super Entscheidung hierher gekommen zu sein.» Die KRAV KIDS und KRAV TEENS Trainings finden in Basel und Münchenstein statt, KRAV MAGA in Basel, Arlesheim, Münchenstein und Muttenz.

JoW

www.kravcore-basel.ch

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