Keine «Ghettoisierungen», aber markant mehr Sozialhilfebezüger

Erkenntnisse aus dem Bericht zu den Integrationsindikatoren 2018

Im aktuellen Bericht über die Integrationsindikatoren des Kantons Basel-Stadt lassen einige Zahlen aufhorchen.

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(Bilder: zVg / Bilddatenbank Kanton BS) Die Integrationsindikatoren 2018 wurden durch das Statistische Amt in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Diversität und Integration erarbeitet.

Insgesamt ist die Bevölkerung im Kanton Basel-Stadt im Zeitraum von 1997 bis 2016 um rund 4000 Personen gewachsen. Im selben Zeitraum hat der Ausländeranteil von 27% auf 36% zugenommen und auch die Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung hat sich stark gewandelt. Bei den Personen im Alter zwischen 31 und 43 Jahren beträgt der Ausländeranteil 2016 mehr als 50%. Neben Flüchtlingen und Zuwanderern leben in Basel aber auch eine Vielzahl von der Wirtschaft gefragte Fachkräfte aus dem Ausland. Verglichen mit den Schweizern (inklusive Doppelbürgern) führt das zu überproportionalen Ausländeranteilen.

Fakt ist aber auch: Ohne Pendler und Zuwanderer wäre der enorme Bedarf an Arbeitskräften in Basel nicht zu decken, heisst es vom Statistischen Amt und der Fachstelle Diversität und Integration. Der Stadtkanton sei als eigentlicher Wirtschaftsmotor der ganzen Schweiz auf diese Ausländer angewiesen. Bei den Ausländerinnen und Ausländern besteht eine erhebliche Streuung bezüglich des sozioökonomischen Status – insbesondere, was die Arbeitsmarktintegration und die Bildung, aber auch was die Sozialhilfe betrifft. Hauptfokus der Integrationsarbeit bleibt also  die Bildung der zugewanderten Personen, um «die Voraussetzungen der Arbeitsintegration und damit auch der Integration in der Gesellschaft zu verbessern», wie man beim Statistische Amt und der Fachstelle Diversität und Integration sowie bei der Stadtentwicklung betont.

Jährliches Update dringend notwendig
Das sind einige der Fakten aus dem erstmals seit 10 Jahren wieder neu aktualisierten Bericht über die Integrationsindikatoren des Kantons Basel-Stadt. Darin geht es um Indikatoren zu den Themen «Bevölkerungsstruktur», «Schule und Bildung», «Erwerb und Auskommen» sowie «Politik und Zusammenleben». Der letztmals im Jahr 2008 veröffentlichte Kennzahlenbericht enthält dieses Jahr rund 100 Indikatoren. Zukünftig werden die Integrationsindikatoren jährlich aktualisiert, um Entwicklungen zeitnah erkennen und entsprechend reagieren zu können. Besonders in den Bereichen Wohnraum und Jobs sowie Sozialhilfe sowie andere Trend-Indikatoren ist es wichtig, künftig in kürzeren Abständen die Erkenntnisse zu aktualisieren, also sozusagen ein jährliches «Update» zu etablieren.

60 Prozent Sozialhilfeempfänger aus dem arabischen Raum
So erkennt man beispielsweise Folgendes rechtzeitig: Die Tendenz der Sozialhilfequote bei Migranten aus dem arabischen Raum äusserst markant: 2001 waren es noch etwas über 20 Prozent, die Sozialhilfe bezogen – 2016 waren es bereits zirka 60 Prozent (!) mit stark steigender Tendenz. Etwas abgestanden und theoretisch ist die offizielle Version der Schlussfolgerung: Flüchtlinge, die im Zuge des Arabischen Frühlings nach Basel kamen, müssen besser in den Arbeitsmarkt eingebunden werden, heisst es. Aber dieser Prozess – das wird auch von Fachleuten bestätigt – ist ein extrem langwieriger.

Bei der Arbeitslosenquote zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Trend: Die grösste Arbeitslosigkeit herrscht prozentual bei  Personen aus Osteuropa. Dies, obwohl Osteuropäer einen der höchsten Anteile an Tertiärausbildungen (Maturitätsabschluss und darüber) vorweisen können. Aber: Die Erhebung der abgeschlossenen Ausbildungen stamme aus der Zeit vor diesen Auswirkungen, heisst es vom Statistischen Amt. Natürlich sind die Sprachkenntnisse zentral für die wirtschaftliche und soziale Integration. Nicht zufällig weisen die Deutschen als grösste Ausländergruppe neben der höchsten Akademiker- auch die tiefste Sozialhilfequote auf – und die breiteste Quartierverteilung.

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Das Ausschaffungsgefängnis Bässlergut: Hier landet – je nach Status und Härtefall – auch ein Teil derjenigen, die sich mit Verstössen gegen das Strafgesetzbuch oder Betäubungsmittelgesetz strafbar gemacht haben.

25 Prozent mit Verstössen gegen das Strafgesetzbuch oder Betäubungsmittelgesetz
Beunruhigend ist und bleibt die Kriminalstatistik: Mehr als 250 pro 1000 Personen aus dem arabischen Raum wurden zum Beispiel im 2011 schon beschuldigt, mindestens einen Verstoss gegen das Strafgesetzbuch oder das Betäubungsmittelgesetz in Basel begangen zu haben. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor waren es noch um die 60 pro 1000 Personen. Begründet wird dieser erschreckend hohe Prozentanteil im Mikrokosmos einer bestimmten Bevölkerungsgruppe mit einer gewissen Perspektivlosigkeit der betroffenen Personen. Das ist jedoch auch keine neue Erkenntnis mehr.

Steigende Durchmischung und Diversifikation
Die Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung hat sich stark gewandelt. Bei den Personen im Alter zwischen 31 und 43 Jahren beträgt der Ausländeranteil 2016 mehr als 50%. Die Durchmischung in Basel-Stadt sei aber erfreulich verlaufen. So würden sich die Ausländer besser verteilen, was bedeutet, dass sie nicht in die Quartiere ziehen, wo bereits viele Immigranten wohnen wie im Kleinbasel oder in Kleinhüningen. Bevorzugt würden mittlerweile Quartiere, in denen der Anteil an Schweizer Bürgern höher ist, wie Riehen, St. Alban und die Innenstadtquartiere. Genaueres über die soziale Durchmischung, die für ein mögliches «Getto» wohl ausschlaggebender wäre, wurde aber nicht näher dokumentiert. «Expats» wohnen in der Regel nicht da, wo die vielleicht finanziell schwächeren oder bildungsfremderen Ausländer/innen ihre Bleibe finden. Tatsache ist jedoch auch, dass in Basel – vergleichsweise zu anderen mittelgrossen bis grossen Städten in West- und Mitteleuropa – es (noch) keine alarmierende und deutlich erkennbare Tendenz zu «Parallelgesellschaften», «Ghettoisierung» diverser Quartiere oder eindeutig erkennbarer «No Go Areas» gibt.

Besonderen Einfluss auf die Gesamtentwicklung übe die Personenfreizügigkeit sowie die wirtschaftliche und demografische Entwicklung aus, heisst es vom Statistischen Amt. Die Migrationsbevölkerung sei heterogener geworden. Dies habe auch Auswirkungen auf die Integrationsarbeit. Die Auswertungen zeigen schliesslich die zunehmende Bedeutung der Ausländerinnen und Ausländer im Kanton Basel-Stadt. Parallel zum höheren Ausländeranteil ist die Zahl der Arbeitsplätze stark gestiegen. Zudem hat die Einwohnerzahl zugenommen. «Sowohl bezüglich der Vitalität des Arbeitsmarktes wie auch des Bevölkerungswachstums besteht ein Zusammenhang mit der Zuwanderung», betonte der Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt, Lukas Ott. Gemäss der Bevölkerungsbefragung empfinden übrigens rund drei Viertel der Bevölkerung, auch der Schweizerinnen und Schweizer, den multikulturellen Charakter Basels als eine sehr oder eher grosse Bereicherung für den Kanton. Der Anteil habe sich in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht.

Redaktion

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