Die «Gesundheits-Detektive» waren wieder auf der Pirsch

Kantonales Laboratorium untersuchte hitzebehandelte genussfertige Lebensmittel in Basler Restaurants

Die Publikationen des Kantonalen Labors Basel sorgen regelmässig für Schlagzeilen. Zuletzt wurden Basler Restaurationsbetriebe bezüglich der Nutzung von hitzebehandelten, kalt oder aufgewärmt genussfertigen Lebensmitteln genauer unter die Lupe genommen. Ein spannender Blick hinter die Kulissen bei den «stillen Helden» im Kantonalen Laboratorium. 

(Bild: Kantonales Laboratorium) Das Kantonale Laboratorium Basel – hier wird erfolgreiche «Detektivarbeit» im Dienste der Bevölkerung geleistet

(Bild: Kantonales Laboratorium) Das Kantonale Laboratorium Basel – hier wird erfolgreiche «Detektivarbeit» im Dienste der Bevölkerung geleistet

Das Kantonslabor Basel Stadt veröffentlicht laufend interessante und zuweilen auch erstaunliche Resultate. Eine der speziellsten Studien war jene zum so genannten «nuklearen Fallout» in Teeproben (2016). Kantonschemiker Dr. Philipp Hübner: «Unsere Schwerpunkte sind in der Regel Untersuchungen von Kosmetika und Tattoo-Tinten, mikrobiologische Untersuchungen von Lebensmitteln aus Restaurants, Untersuchungen von Lebensmitteln und Umweltproben auf Radioaktivität sowie die Untersuchung von Lebensmitteln bezüglich Allergenen. Durch das lebensmittelrechtlich vorgeschriebene risikobasierte Vorgehen resultieren vor allem im Kosmetika-Bereich teilweise hohe Beanstandungsraten.»

178 Proben aus 23 Basler Restaurationsbetrieben
Die Resultate einer Untersuchungskampagne wurde von vielen besonders mit Spannung erwartet: 2017 wurden nämlich insgesamt 818 hitzebehandelte, kalt oder aufgewärmt genussfertige Lebensmittel aus Gastronomiebetrieben von 13 Kantonen untersucht. Die in Basel-Stadt erhobenen 178 Proben stammten aus 23 Restaurationsbetrieben. Der Schwerpunkt lag auf vorgekochten Speisen. Die Resultate liegen nun vor. Es ging um einen Check auf so genannte ESBL- und Carbapenemase-bildende Enterobacteriaceae. ESBL ist ein Enzym, das gewisse  Antibiotika unwirksam beziehungsweise resistent machen könnte. Diese Untersuchung erfolgte parallel zur Untersuchung gemäss Hygieneverordnung auf die Parameter aerobe mesophile Keime, Enterobacteriaceae, koagulasepositive Staphylokokken und Bacillus cereus.

Entwarnung aus dem Kantonslabor
Aus 19 Proben (2.3 %) von insgesamt 818 hitzebehandelten, kalt oder aufgewärmt genussfertigen Lebensmitteln aus Gastronomiebetrieben liessen sich 19 ESBL-verdächtige isolieren. Bei zwei Isolaten (0.2 %) der Spezies Serratia fonticola, isoliert aus Penne und Broccoli, wurde eine chromosomal auf dem blaFONA-Gen kodierte Resistenz (Klasse A ESBL) bestätigt. In beiden Proben lagen die Keimzahlen für Enterobacteriaceae jedoch unter dem Richtwert von 100 KbE/g. Allgemein ergaben sich keine klaren Zusammenhänge zwischen Richtwertüberschreitungen bei den Enterobacteriaceae oder anderen Untersuchungsparametern und der Wahrscheinlichkeit der Isolation von Resistenz-verdächtigen Enterobacteriaceae. Zu den Enterobacteriaceae zählen viele harmlose Darmbewohner (z.B. Enterobacter cloacae und Enterobacter asburiae), welche normalerweise den gesunden Menschen (Träger) kolonisieren. Träger von ESBL- und/oder Carbapenemase produzierenden Darmbakterien bemerken eine Besiedlung mit solchen Bakterien in den meisten Fällen also nicht. «Abschliessend lässt sich also sagen, dass mit einer Kontaminationsrate von 0.2 % eine erfreulich niedrige Belastung von hitzebehandelten, kalt oder aufgewärmt genussfertigen Lebensmitteln aus Schweizer Gastronomiebetrieben mit ESBL-bildenden Enterobacteriaceae vorliegt», heisst es aus dem Kantonalen Labor Basel. Insbesondere wurden keine für den Menschen pathogenen ESBL-bildenden Bakterien isoliert. Die gute Nachricht heisst also: Das Risiko, dass sich ein Durchschnittskonsument über solche Speisen mit ESBL-bildenden Enterobacteriaceae kolonisiert oder gar infiziert, kann deshalb als sehr gering eingeschätzt werden.

Erfolgreiche «Detektivarbeit»
Im 2017 wurden ebenso unter anderem Getreideerzeugnisse auf Tropanalkaloide untersucht, Zuchtfische auf Aquakulturfarbstoffe, pflanzliche Lebensmittel auf Pyrrolizidinalkaloide, Getreideprodukte auf Begasungsmittel, Fruchtsäfte auf künstliche Aromen und glutenfreies Brot aus dem Offenverkauf wird auf Glutenreste getestet. Auch wurde geprüft, ob in Grillkäse, in Schnitzel und im Cordon Bleu Transglutaminase vorhanden sind. Was ebenfalls genauer begutachtet wurde: Die Duftspender. Diese beinhalten zuweilen  allergene Duftstoffe. Auch die Tests an Lipcare-Produkte und Gummihandschuhen sowie laufend bei Kinderkosmetik erregen oft Aufmerksamkeit. Konservierungsstoffe, UV-Filter, Farbstoffe, Mineralparaffine und verbotene Stoffe sind immer im Fokus des Kantonalen Labors Basel.

Regelmässig Proben bei risikobasierten Produkten
Interessant ist, welche Tests wann durchgeführt werden. Philipp Hübner: «Die kantonalen Laboratorien der Schweiz bilden ein Netzwerk von spezialisierten Labors. Unsere Schwerpunkte sind, wie bereits erwähnt, Untersuchungen von Kosmetika und Tattoo-Tinten, mikrobiologische Untersuchungen von Lebensmitteln aus Restaurants, Untersuchungen von Lebensmitteln und Umweltproben auf Radioaktivität sowie die Untersuchung von Lebensmitteln bezüglich Allergenen. In unseren Schwerpunkten untersuchen wir regelmässig Proben, welche wir risikobasiert auf dem Markt erheben. Das Eidgenössische Lebensmittelrecht weist den kantonalen Laboratorien generell die Aufgabe der Lebensmittelkontrolle zu.»

Lebensmittelsicherheit  
In gewisser Weise verstehe man sich auch als «Detektive» gibt Philipp Hübner zu: «Bei unserer Kontrolltätigkeit wird ein Teil unserer Laborkapazität bewusst für neue, noch nicht bekannte Themen eingesetzt. In diesem Sinne verstehen wir uns durchaus als Detektive, welche durch unser Knowhow die Lebensmittelsicherheit in der Schweiz hochhalten.»
Dem breiten Publikum ist das Labor vor allem bekannt für die Lebensmittelkontrollen. Aber Dr. Philipp Hübner und das Team sind auch zuständig für die Chemikalienkontrolle sowie für den Vollzug der Störfallvorsorge, welchem im industrialisierten Stadtkanton eine wichtige Rolle insbesondere bei Raumplanungsprojekten zukomme.

JoW

50 Leute für Konsumenten-, Gesundheits- und Umweltschutz
Das Kantonale Laboratorium Basel-Stadt trägt zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung von Basel-Stadt, aller Konsumentinnen und Konsumenten im Kanton und zum Schutz der Umwelt bei. Rund 50 Personen aus den verschiedensten Fachbereichen setzen ihr Wissen und ihre Fachkompetenz täglich zur Analyse, Begutachtung und Beurteilung von risikoreichen Situationen, Stoffen und Materialien ein. Im Bereich Konsumentenschutz wird ein spezieller Fokus auf den  Bereich der Lebensmittelsicherheit, der Sicherheit Nonfood-Produkte sowie den sicheren Umgang mit Chemikalien gelegt.

Vorsorglicher Gesundheitsschutz ist das Ziel, damit Risiken für die Basler Bevölkerung und für die Konsumentinnen und Konsumenten im Kanton Basel-Stadt minimiert werden. Bei gesundheitsgefährdenden Vorfällen und bei Täuschungen wird interveniert um Schäden zu begrenzen und daraus Lehren für die Vorsorge gezogen. Im Umweltbereich ist die Sicherheit von Firmen und Transporten im Umgang mit chemischen, biologischen und atomaren Risiken eine weitere Kernkompetenz des Labor-Teams.

Das Kantonale Laboratorium publiziert Kampagnenresultate regelmässig auf www.kantonslabor.bs.ch. Zudem kann ein Newsletter mit den Kampagnenresultaten abonniert werden.

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