Die «Unerschrockenen» des Winterdienstes

Frische Früchte und Winterdienst-Schulung für jene, die in der Kälte arbeiten müssen

Man hatte es kaum mehr für möglich gehalten, aber die Kältewelle hat noch einmal die Region erfasst. Die klirrende Kälte war für manche Berufsleute, die Draussen arbeiten müssen, eine grosse Herausforderung. Eine Ausnahmesituation auch bei den Werkhöfen und der Stadtreinigung Basel-Stadt.

(Bild: Fotolia) Winterdienst: Keine Arbeit für zartbesaitete Leute...

(Bild: Fotolia) Winterdienst: Keine Arbeit für zartbesaitete Leute…

Plusgrade waren Ende Februar und zu Beginn des aktuellen Monats die Ausnahme. Sogar im zweistelligen Bereich wurden die Minuswerte am frühen Morgen jeweils gemessen. Unter diesen Voraussetzungen fällt das Arbeiten an der frischen Luft nicht leicht. Im Kampf gegen die Kälte sind die Mitarbeitenden der Stadtreinigung und der Werkhöfe der Umgebung besonders gefordert.

Mit Vitaminen, Winterschulung und guter Ausrüstung
Nun wollten wir es aber genauer wissen: Welche Herausforderungen in Bezug auf die tägliche Arbeit und die Routineaufgaben entstehen für das Werkhof- und Stadtreinigungspersonal, wenn eine Kältewelle eintritt und wie geht man mit dem Thema Sicherheit und Gesundheit um? Der Gebietsverantwortliche der Basler Stadtreinigung Stefan Pozner: «Während der Winterdienstphase erhalten alle Mitarbeitende täglich frische Früchte; Orangen und Äpfel. Zusätzlich gibt es auch kostenlos Mineralwasser, dieses Angebot wird nun laufend ausgeweitet durch Wasserspender in den Magazinen.» Ausserdem biete  die Stadtreinigung wöchentlich zweimal «Fit in den Tag» an: 15 Minuten Gymnastik, welche auf die operative Tätigkeiten zugeschnitten ist. «Entsprechend ist die Sicherheitsbekleidung dem neusten Standard und ebenfalls den winterlichen Temperaturen angepasst. Anfangs Winterdienstperiode erhalten unsere Mitarbeitende eine Winterdienst-Schulung, welche sie auf den Winterdienst sensibilisiert, betreffend Umgang mit Geräten und Fahrzeugen», sagt der erfahrene Fachmann.

Werkhöfe planen die Einsätze schon in der Nacht
Die Werkhöfe sind ausserordentlich gefordert. So berichtet beispielsweise Katrin Kézdi Leutwyler von der Gemeindeverwaltung Riehen: «Wir beachten die örtliche Wettervorhersage sehr genau. Nachts oder am frühen Morgen kontrolliert der diensthabende Mitarbeiter die Situation bezüglich Eis, Schnee, überfrierende Nässe und so weiter. Dementsprechend werden dann die Kräfte, oft schon in der Nacht, aufgeboten. Dadurch ist es möglich, dass das «normale» Tagesgeschäft leidet, denn der Mehraufwand bei der Schneeräumung kann sehr gross sein und mehrere Stunden oder Tage in Anspruch nehmen. Gleichzeitig müssen wir jene Arbeiten sicherstellen, die wir nicht verschieben können, so zum Beispiel die Kehrichtabfuhr. Je nach Schneeverhältnissen kann dies sehr anspruchsvoll sein.» Ähnliches berichtet Henrik Haerden vom Werkhof Reinach: «Die Werkhöfe versuchen im Winter stets ihr Bestes, um allen Verkehrsteilnehmern bestmögliche Verhältnisse anzubieten, dies ist aber nicht an allen Orten gleichzeitig möglich.»

So funktioniert die Einsatzplanung
Wesentliche Kriterien für einen Winterdienst-Einsatz sind Strassenwettersituation, Strassenzustand, Verkehrssicherheit, Verfügbarkeit der Strassenflächen (Strassentemperaturen / Wetterprognosen). Prioritär bei einer Einsatzplanung ist das Ziel, Verkehrsgefahren und -behinderungen, die durch winterliche Witterungseinflüsse verursacht werden, zu verhüten und die Verkehrssicherheit so weit wie möglich zu gewährleisten. Der gesamte Aufwand habe sich – gemäss Aussage aller befragter Fachleute – nach den Bedürfnissen der in einer Stadt beziehungsweise Gemeinde lebenden und arbeitenden Menschen sowie nach den klimatischen Verhältnissen zu richten und muss mit vernünftigen finanziellen Mitteln  umgesetzt werden können. Ziel ist es, auf den öffentlichen Strassen die grösstmögliche Betriebsbereitschaft und Betriebssicherheit zu erreichen und dabei ökologischen wie ökonomischen Kriterien gerecht zu werden.

Im Tagesgeschäft bedeutet dies folgendes: Die meteorologischen Daten, die Beobachtungen vor Ort und das Glatteis-Frühwarnsystem ermöglichen der Einsatzleitung, die Winterdiensteinsätze optimal zu planen. Der Einsatzleiter steht zudem in ständigem Kontakt mit der Einsatzzentrale der Polizei und der Einsatzleitstelle. Eine der aktuellen Anstrengungen sei übrigens auch gemäss einer Umfrage in Expertenkreisen, den Bedürfnissen des steigenden Velofahreranteils im Winter Rechnung zu tragen.

JoW

Basler Alternativen zum Streusalz?

Wieder aktuell wurde im kalten Februar 2018 das Thema «Alternativen zum (aggressiven) Streusalz». Es ist kein Geheimnis, dass Streusalz zwar effizient ist, aber der schale Beigeschmack bezüglich des ökologischen Fussabdrucks ist vielen Gemeinden ein Dorn im Auge: Angesichts der negativen Auswirkungen von Streusalz auf die Umwelt und aus Gründen des Budgetdrucks entscheiden sich immer mehr Städte und Gemeinden für einen differenzierten Winterdienst. Ameisensäure, Melasse, Glykol- und Zuckerlösungen, Kaliumcarbonat, Kalcium-Magnesium-Acetat, Blähton/Ziegelschrott oder Harnstoffe, aber auch Granulat, Splitt, Sägespäne oder Asche: Mit diesen Streumitteln wurde schon erfolgreich experimentiert. Auch die «Stop Gliss Bio – Holzschnitzel» kamen in einigen Gemeinden zum Einsatz. Eine «Revolution» im Bereich der Streumittel-Verwendung in den Schweizer Kommunen ist jedoch nicht in Sicht. Der Einsatz alternativer Streumittel scheitert oft nicht am Willen, sondern an ihrer Verfügbarkeit, am Einsatz der geeigneten Maschinen und Fahrzeuge oder an den finanziellen Ressourcen, sagen Experten.

In Basel-Stadt hat man den Versuch unternommen, vermehrt mit Ameisensäure zu operieren. Denn Salzanreicherungen im Boden behindern die Wasser- und Nährstoffaufnahme der Bäume. Sie erleiden dadurch Trockenschäden und werden anfällig für Krankheiten und Schädlinge. So haben die Basler Verkehrsbetriebe BVB mit Ameisensäure als Enteisungsmittel einen Pilotversuch gestartet und beim Winterdienst einen Stoff auf Basis von Ameisensäure eingesetzt. Das Projekt sei grundsätzlich gut verlaufen, hiess es und der Schnee komme weg, es entstehe zudem weniger Eisbildung und die Wirkung sei durchwegs nachhaltiger. Salze der Ameisensäure – sogenannte Formiate – seien effizienter und umweltverträglicher als konventionelle Streumittel sagt BASF, einer der grössten Hersteller von Ameisensäure. Denn sie eignen sich speziell zur Beseitigung dünner Eisschichten und wirken vorbeugend, wenn der Wetterbericht Schnee und Eis gemeldet hat. In Kopenhagen setzt man übrigens seit einigen Jahren auf Ameisensäure im Winterdienst. Dominik Egli, Leiter Stadtreinigung beim Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt: «Bezüglich Kosten-Nutzen Evaluation ist Salz dennoch konkurrenzlos. Es geht uns besonders darum, den gewünschten Effekt mit so wenig Salz wie möglich zu erzielen.»

Anderswo wird neben Feuchtsalz bei trockener Oberfläche auch reine Sole gesprüht. Die Solesprühung wird für die Bekämpfung von Reifglätte und für die Präventivstreuung vor einsetzendem Schneefall eingesetzt.» Dabei wird Sole (21 Prozent Salzwasser) auf die Strassenfläche gesprüht, die sich mit dem Strassenbelag verbindet. «Mit dieser Methode wird bei gleicher Wirkung die ausgebrachte Salzmenge pro Quadratmeter reduziert. Die uns bekannten Alternativen wie Melasse, Harnstoffe und so weiter werden aus ökologischen oder aus ökonomischen Gründen nicht angewendet. Manchmal ist sogar beides in Kombination ein Grund zur Nichtberücksichtigung. Das Motto heisst «so wenig Salz wie möglich, respektive so viel Salz wie nötig».

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