Die Kommunikation, die Sinne und die Intelligenz der Pflanzen

Laut neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen haben Pflanzen nicht nur mehr Sinne als wir, sondern kommunizieren, erkennen Verwandte und fällen Entscheidungen. Mindestens 99.5% der Biomasse auf der Erde sind Pflanzen. Es ist also fraglich, ob der Mensch den Planeten wirklich so im Griff hat oder ob es vielleicht sogar umgekehrt ist – und sich so die gewagte These, dass Pflanzen nicht nur Insekten, sondern sogar uns manipulieren, um sich zu verbreiten, bestätigt.

(Bild: zVg) Dank elektrischer Signale, die durch Öffnungen in der Zellwand weitergeleitet werden, kommunizieren Wurzeln und Blätter miteinander.

(Bild: zVg) Dank elektrischer Signale, die durch Öffnungen in der Zellwand weitergeleitet werden, kommunizieren Wurzeln und Blätter miteinander.

Klar, Pflanzen haben weder Augen, Nase, noch Mund und Ohren. Trotzdem hat die Wissenschaft entdeckt, dass Pflanzen sogar mehr Sinne haben als der Mensch. Unser Weltbild der Biologie durchläuft zurzeit eine ziemliche Revolution. Die Sinne der Pflanzen sind nicht auf Organe angewiesen, sondern als Funktionen im ganzen System integriert, damit ein gefrässiges Tier keinen allzu grossen Schaden daran anrichtet, wenn es die Pflanze anknabbert.

Sehen – Fühlen – Hören
Sehen: Jeder, der eine Zimmerpflanze zuhause hat, kann beobachten, dass diese sich zum Licht hinwendet. Wenn man die Definition von Meyers Grossem Lexikon nimmt, nach der Sehen als die Wahrnehmung von optischen Reizen definiert wird, können Pflanzen also sehr wohl sehen. Mithilfe von Fotorezeptoren, chemischen Molekülen in der Pflanze, können sie Licht und sogar Wellenlängen erkennen.

Riechen: Durch Rezeptoren in den Zellen können Pflanzen Düfte entschlüsseln und Botschaften versenden. So können Pflanzen mit Insekten, anderen Pflanzen und sogar Säugetieren kommunizieren und sich ihre Umwelt zunutze machen.

Schmecken: Rezeptoren in den Wurzeln helfen der Pflanze, Nährstoffe im Boden zu finden. Kleinste Mengen von Phosphat können so beispielsweise in vielen Kubikmetern Erde aufgestöbert werden.

Fühlen: Die Wurzeln ertasten Hindernisse und umgehen diese. Doch auch die Blätter weisen mechanosensible Kanäle auf: Die Mimosa Pudica beispielsweise klappt ihre Blätter bei Berührung ein, nicht aber bei Wind oder Regen.

Hören: Diese mechanosensi­blen Kanäle funktionieren auch als Ohren der Pflanze. Schwing­ungen werden über den Boden verbreitet und von den Pflanzen in ihren Zellen aufgefangen. Es gibt sogar schon Studien, die bestätigen, dass bestimmte Frequenzen auch das Wachstum von Pflanzen fördern.

Die Kommunikation der Pflanzen
Dank elektrischer Signale, die durch Öffnungen in der Zellwand weitergeleitet werden, kommunizieren Wurzeln und Blätter einer Pflanze miteinander. Wenn beispielsweise die Wurzeln Wasserknappheit signalisieren, schliessen die Blätter die Rezeptoren für die Fotosynthese, da durch offene Rezeptoren Wasser ausdünstet. Die Signale werden zwar nicht im Bruchteil einer Sekunde von der Wurzel zum Blatt übertragen, aber doch innerhalb weniger Minuten (beispielsweise bei einer Sonnenblume). Pflanzen kommunizieren sogar untereinander: Durch chemische Moleküle werden Informationen durch Luft und Wasser übermittelt. Aber auch durch ihre Körperhaltung verständigen sich Pflanzen: Gewisse Bäume wie Pinien mögen keine Berührungen und wachsen nur so nahe aneinander ran, damit noch ein kleiner Abstand bleibt. Laut einem Experiment erkennen sie ihre eigenen Verwandten. Dazu wurden 30 nichtverwandte Samen derselben Pflanzenart und 30 Samen derselben Mutterpflanze in zwei gleichgrossen Töpfen gezüchtet wurden. Die nicht verwandten Pflanzen bildeten ein ausgedehntes Wurzelwerk, um das eigene Überleben zu sichern. Die verwandten Pflanzen verlegten sich auf mehr oberirdische Pflanzenteile, da sie nicht konkurrieren mussten.

Redaktion

Weiterleiten
  • gplus
  • pinterest