Die Herausforderung des Jahres für die «heimlichen Helden»

Ferien während der Fasnachtswoche waren bei der Stadtreinigung Tabu

Die Schnitzelbänggler, Guggen, Waggis, Pfyffer und Drummler, die Ladäärne-Künstler und -Träger und alle Aktiven und Schaulustigen: Das sind die «Helden der drey scheenschte Dääg» des Jahres in Basel. Aber die «heimlichen Helden» der Fasnacht bewegen sich, trotz ihrer auffälligen Arbeitskleidung, unauffällig hinter den Kulissen.

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(Bilder: JoW) Aktive Fasnächtler und Mitarbeitende der Stadtreinigung respektieren sich – Auch bei der Bewältigung der Endreinigung nach dem Ändstreich.

Zirka 250 Tonnen Kehricht jeglicher Art hat die Basler Stadtreinigung auch heuer nach den drey scheenschte Dääg wieder entsorgen müssen (genaue Menge bei Red.schluss noch nicht bekannt – Schätzung gem. Angaben von 2014 – 2017). Das ist fast das Dreifache jener Menge, die man nach der Luzerner Fasnacht wegräumen musste. Ohne Strategie und Planung ist diese grosse Herausforderung nicht zu bewältigen.

Schon viele Wochen vor dem grossen Ereignis stehen die Pläne und alle Eventualitäten bezüglich der Bedürfnislage (Menschen und Maschinen) sind bereits eingeplant. Auch die Wetterkapriolen, die allenfalls zu erwarten waren wie Schnee und Eiseskälte. Dies sind in der Regel die grössten Widersacher bei der Arbeit der Stadtreinigung. Denn bei Schnee darf der Abfall nicht direkt entsorgt werden und man muss diesen in ein Zwischenlager bringen. Bei wirklich schlechtem Wetter kann man ausserdem aus diversen Gründen einige Räumungs- und Putzfahrzeuge nicht einsetzen, weil sonst die Mechanik versagen könnte. Dies war auch heuer an der Fasnacht 2018 nicht der Fall.

Stadtreinigung weiss, was auf sie zukommt
Speziell vor und nach dem Morgestraich, vor und nach dem Cortège und natürlich nach dem Ändstreich wartet viel Arbeit: Aus Sicherheitsgründen wurden wie immer alle Abfallkübel entlang der Fasnachts-Cortège-Routen entfernt. Ebenso alle Sitzbänke. Schliesslich veranlasst jeweils die Allmendverwaltung, die ebenfalls zum Tiefbauamt gehört, dass Baustellen im Perimeter der Fasnacht – das heisst die Cortège und Gässle-Routen – geräumt oder zumindest so gesichert werden, dass auch bei grossem Publikumsandrang keine Gefahr von ihnen ausgeht.

Besonders «heikel» ist jeweils die Planung der Einsätze für die Stadtreinigung: «In der Fasnachtswoche sind wir sehr gefordert. An den drei Tagen der Fasnacht gilt absolutes Ferienverbot. Da brauchen wir jede Person. Ausser…man macht selber Fasnacht. In Basel einer Fasnächtlerin oder einem Fasnächtler an den ‹drey scheenschte Dääg› nicht frei geben zu wollen, grenzt fast schon an Blasphemie. Da müssen wir bei der Planung genau darauf achten», sagte jeweils der ehemalige Leiter Stadtreinigung Peter Schär  mit einem Augenzwinkern. Neu im Amt seit 30. März 2017 ist sein Nachfolger Dominik Egli, der seine erste Basler Fasnacht in dieser verantwortungsvollen Rolle erlebte.

Viel Betrieb auf den Hauptachsen
Die Stadtreinigung des Tiefbauamtes Basel-Stadt räumte während der gesamten Fasnacht 2014 bis 2017 im Schnitt knapp 250 Tonnen Fasnachtsabfälle weg. Und der Abfallberg wurde auch 2018 nicht kleiner. Dies entspricht fast einer Tonne pro Mitarbeiter (290 waren 2018 im Fasnachtseinsatz), die dreieinhalb Tage im Sondereinsatz waren. Die Stadtreiniger waren nach dem Cortège am Montag- und Mittwochabend, zwischen 18 und 22 Uhr, auf der Hauptachse zwischen Aeschenplatz und Messeplatz sowie auch am Dienstag- und Mittwochmorgen um 0400 Uhr in der ganzen Innenstadt auf Reinigungstour. Am Donnerstagmorgen, pünktlich ab 0400 Uhr, bewältigten rund 290 Personen mit rund 100 Fahrzeugen die Fasnachts-Endreinigung. Dies in enger Zusammenarbeit mit der Stadtgärtnerei, den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB), den übrigen Abteilungen des Tiefbauamtes sowie auch mit Unterstützung durch Gewerbebetriebe.

JoW

Blick hinter die Kulissen

Noch während bei den Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern der Ändstraich eingespielt wird und die Tränen getrocknet werden, stehen die «Orangenen» der Stadtreinigung startbereit. Um genau 0400 Uhr am Donnerstagmorgen beginnt ihr persönliches Highlight: Innerhalb zweier Stunden werden die Haupt-Verkehrsachsen der Innerstadt im Gross- und Kleinbasel blitzblank gesäubert sein. Als ob nichts gewesen wäre.

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Voller Einsatz: Eine einigermassen vorhandene Fitness und Polyvalenz sind zwei der wichtigsten Voraussetzungen für die Mitarbeitenden der Stadtreinigung

Das Ritual ist jedes Jahr dasselbe. Nur die jeweils unterschiedlichen Wetterverhältnisse verändern die Ausgangslage bei den Planungen der Verantwortlichen der Stadtreinigung, wenn es um die Endreinigung nach dem «Ändstraich» geht. Und zum Ritual gehört auch, dass die aktiven Fasnächtlerinnen und Fasnächtler zu den Putzequipen ein gutes Verhältnis haben. Man kennt sich, lässt sich zusammen fotografieren und akzeptiert, dass ab genau 0400 Uhr am Fasnachts-Dunnschtig die «Wachablösung» vollzogen wird und die Stadt den Putzkolonnen «gehört». Um 05.00 Uhr müssen die ersten Trams wieder alle Strecken fahren können und um 06.02 Uhr die Hauptachsen gereinigt sein. Knapp ein Dutzend Putzequipen stehen während der drei Tage im Einsatz. Das sind zirka 290 Leute und 100 Reinigungs-, Räumungs- und Kommunalfahrzeuge sowie eine stattliche Anzahl von Fremdfirmen, die ebenfalls mithelfen, dass die Herausforderung gemeistert werden kann. Das Hauptproblem seien die Unmengen von Flaschen und Dosen, heisst es jeweils von Seiten der Stadtreinigung. Der ganze Abfall, der von der Stadtreinigung aufgelesen wird, kommt bei der Messe auf eine «Räppliburg» und von dort geht der Abfall in die Verbrennungsanlage.

Vielseitigkeit und Fitness sind gefragt
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Fasnachtstage sehr vielseitig. Nur wenige haben nur eine Aufgabe zu erledigen. Vielseitigkeit ist in der Arbeitswelt der Mitarbeiter der Stadtreinigung Usus. Man kann sich intern weiterbilden lassen und «on the job» einiges lernen, sodass jede und jeder mit der Zeit auch beispielsweise einen oder mehrere der Kommunalfahrzeuge führen kann. Polyvalenz ist das Zauberwort. Auch Fitness sei ein wichtiger Faktor. Dies gilt während der Fasnachtstage, aber auch sonst ist dies Voraussetzung. Man muss schliesslich auch sechs Stunden mit Maschinen und insgesamt achteinhalb Stunden pro Arbeitstag bei jedem Wetter im Einsatz sein. Das erfordert geistige und körperliche Fitness.

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