Der FC Basel bricht mit einer «Tradition»

Stadtfest statt spontaner Meisterfeier auf dem «Barfi» – viele Fans protestieren

Es ist mittlerweile zum «Kult» in Basel avanciert: Die Spontanfeier auf dem Barfüsserplatz, sobald der FC Basel rechnerisch von seinen Verfolgern nicht mehr einholbar und somit offiziell Meister ist. Dass diese Party diesmal nicht mehr so gefeiert wird, stösst bei vielen Fans eher sauer auf.

(Bild: fcb.ch / © Uwe Zinke) Das Meisterfeier-Ritual auf dem «Barfi-Stadtcasino-Balkon»: Auch im 2014 genossen Ex-Coach Murat Yakin und der nun abtretende Präsident Bernhard Heusler das Bad in der Menge.

(Bild: fcb.ch / © Uwe Zinke) Das Meisterfeier-Ritual auf dem «Barfi-Stadtcasino-Balkon»: Auch im 2014 genossen Ex-Coach Murat Yakin und der nun abtretende Präsident Bernhard Heusler das Bad in der Menge.

Fast wäre es der früheste Meistertitel in der FCB-Vereinsgeschichte geworden und vielleicht wäre die mittlerweile schon obligate Spontanfeier auf dem «Barfi» am Sonntag, den 23. April gestiegen. Aber der  Rekord aus dem Jahr 2002, als am 24. April nach 22 Jahren wieder der Titel am Rheinknie gefeiert wurde, wird weiterhin bestehen. Letzte Saison stieg die Meisterparty übrigens am 30. April.

Jubiläums-Meisterfeier: «Jetzt sind auch mal die Kinder und Familien dran»
Aber spontan wird die Meisterfeier 2017 mitnichten. Nicht etwa, weil es der FC Basel sportlich noch einmal spannend machte. Nein, man will die Feier nunmehr generalstabsmässig planen und am 3. Juni 2017 als Stadtfest durchführen. Dies gefällt längst nicht allen. Auch wenn der gute Hintergedanke dabei nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Aber die Spontanfeier gehört mittlerweile zum «Kult» und viele fiebern Jahr für Jahr dieser Party entgegen.

Doch jetzt soll im grossen Stil gefeiert werden. Denn der 20. Meistertitel – der achte in Folge – soll einen würdigen Rahmen erhalten. Für diesen Anlass soll die gewohnte Feier auf dem Barfüsserplatz nicht mehr ausreichen. Ein Stadtfest muss her. Am Pfingstsamstag, 3. Juni, am Tag nach dem letzten Saison­spiel gegen St. Gallen, wird der Meisterpokal durch die Basler Innenstadt getragen. Damit will der FCB bewirken, dass für einmal auch Familien und Kinder an der Meisterfeier teilnehmen können.

Eines «Rituals beraubt»?
Interessant und wohl auch für den FC Basel unerwartet sind die Reaktionen vieler Fans: Statt Freude herrscht Frust. Man würde ihnen eine Freude nehmen, auf die man sich freue und bei welcher die «echten Fans» und nicht die «Modefans» jeweils zusammenfinden. «Ein geplantes Fest am Tag danach? Freue mich jetzt schon auf eine Feier ohne Emotionen», schreiben einige in den Sozialen Medien und Foren. Man nehme ihnen ein Ritual. «Das letzte Spiel ist an einem Freitagabend. Da könnten ja alle kommen und die Stimmung miterleben», ist jedoch eine der Alternativmeinungen. Dabei hat der FC Basel folgendes auf seiner Webseite kommuniziert: «Der FCB hat nach Rücksprache mit Vertretern von Fans und Anhängern entschieden, dass die Mannschaft an einem spielfreien Tag nicht öffentlich auftritt – auch nicht an einer allfälligen ‹spontanen› Meisterfeier.»

Scheinbar geht man aber auch davon aus, dass sich spontane Feierlichkeiten der Fans nicht vermeiden lassen. Abklärungen dafür wurden offenbar schon getroffen. «Bei einer spontanen Meisterfeier handelt es sich um eine spontane Feier ohne konkreten Veranstalter oder Organisator, die von der Polizei toleriert wird», wird der Mediensprecher der Basler Polizei Martin Schütz beispielsweise auf «barfi.ch» zitiert. Aber einer allfälligen «inoffiziellen Spontanfeier» der Fangruppen würde auf jeden Fall die Würze fehlen. Denn der FCB hat entschieden, «dass die Mannschaft an einem spielfreien Tag nicht öffentlich auftritt – auch nicht an einer ‹spontanen› Meisterfeier.»

Spontan feiern im Stadion nach dem letzten Heimspiel
Die Spielplansituation sei so, dass die 1. Mannschaft des FCB an einem Tag rechnerisch Meister werden kann, an dem sie nicht selber gespielt habe, kommunizierte der FCB weiter. Nach der klaren Mehrheitsmeinung der Befragten, würde ein Tag, an dem das Resultat auf einem fremden Platz den FCB vorzeitig zum Meister macht, nicht der richtige Rahmen für eine spontane Feier des 20. Meistertitels der Clubgeschichte bieten. Für den Club und das Team sei bei diesem Entscheid das Empfinden und die Meinung der Fans massgebend. Kann sein, dass sich der Club dabei leicht getäuscht haben könnte, zumindest was die Meinung der treuen Fans betrifft. In der Bevölkerung der Region jedoch hat der Entscheid mit dem Stadtfest ein hohes Zustimmungspotenzial.

Ab dem späteren Nachmittag des 3. Juni 2017 soll nun also in der Basler Innenstadt eine rotblaue Feier stattfinden, an der – im Gegensatz zu den nächtlichen Meisterfeiern der letzten Jahre – für einmal auch Familien und Kinder teilnehmen können. Das entsprechende Fest wird in Zusammenarbeit mit der Stadt Basel und den verschiedenen Behörden geplant. Die Abklärungen seien derzeit im Gange und die Öffentlichkeit werde über die Details informiert, sobald die Rahmenbedingungen klar definiert sind, lässt der FCB des Weiteren verlauten.

Auch wenn am Freitag, 2. Juni 2017, nach dem letzten Heimspiel gegen den FC St. Gallen keine öffentliche offizielle Meisterfeier in der Stadt abgehalten wird, so sind dennoch alle Zuschauerinnen und Zuschauer herzlich eingeladen, nach dem Schlusspfiff noch im Stadion zu verweilen und an den offiziellen Meister-Feierlichkeiten mit der Pokalübergabe teilzunehmen. Auch würde es zusätzlich sicher noch die eine oder andere Überraschung und ein rotblaues «Bhaltis» für alle anwesenden Fans geben.

JoW, div. Quellen

Seit 2002 «Kult» – Der Meister-Balkon
Es gab mal eine Zeit, als man den Meisterpokal nicht auf dem Stadtcasino-Balkon auf dem Barfi präsentierte. 1994, als der FCB aufstieg, durften die Spieler wieder hoch auf einen Balkon. Die Fans sangen: «Nie meh, nie meh Nati B». Und seit 2002 gilt der Stadtcasino-Balkon gewissermassen als Symbol des FCB-Erfolgs und der Symbiose mit seinen Fans. Selten sind sie ihren Lieblingen so nah wie in diesem Moment der spontanen Meisterfeier. Die 2002-Feier war somit also «die Mutter aller Meisterfeiern», wie viele sagen. Es war zudem die erste Meisterfeier nach 22 Jahren. 40’000 sollen damals dabei gewesen sein. Ein Rekord, der wohl noch nicht gebrochen wurde bei einer der vielen «Barfi-Feste» bis 2016, bei welchen die Fans so richtig vom Regen überrascht wurden.

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