Berufswahl 4.0 – Auf die richtige «Vision» kommt es an

Fazit und Gedanken rund um die Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse 2018

Die Berufswahl oder der Entscheid für eine Weiterbildung ist eine strategische Angelegenheit. Welche Berufe haben Zukunft und passen in die Arbeitswelten 4.0? Hat das Handwerk noch einen «goldenen Boden», welche Weiterbildung wird mir helfen, einen Argumentationsvorsprung als Bewerber/in zu generieren? Diese Fragen «plagen» 2018 viele Jugendliche heute mehr denn je. Denn die Arbeitswelt wird sich mit der Digitalisierung und Transformation stark verändern.

(Bild: Fotolia) Um in der Zukunft einen interessanten und nachhaltigen Job zu finden muss man sich sowohl bei der Berufswahl wie auch bei den Aus- und Weiterbildungsangeboten mit der Arbeitswelt 4.0 befassen

Für viele Jugendliche in der Nordwestschweiz ist die jedes zweite Jahr stattfindende Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse eine Art «Kompass» für den schwierigen Entscheid, welche Berufs- oder Weiterbildungswahl aufgegriffen werden soll. Nach den SwissSkills in Bern, wohin auch viele Besucherinnen und Besucher aus der Region pilgerten, haben sich nun also Ende Oktober wiederum viele Tausend bei einem Grossevent zum Thema Beruf und Weiterbildung eingefunden.

Jobsicherheit in der Arbeitswelt 4.0?
Was auf besonders viel Aufmerksamkeit stiess waren natürlich auch jene Berufe und Weiterbildungsmöglichkeiten, die allenfalls die Chancen auf eine Jobsicherheit in den künftigen Arbeitswelten erhöhen. Die Digitalisierung der Arbeitswelten und der Weg zur Industrie 4.0 ebnen neue Wege und neue Berufe entstehen. Diese «neuen Berufe» haben es aber in sich: Fachkenntnis und Vielseitigkeit sind Voraussetzungen, aber besonders wichtig ist für Berufsleute in den «neuen Berufen» die vielen erworbenen Fähigkeiten zu verknüpfen. Man spricht sogar in Fachkreisen bei den Zukunftsforschern von «neuem Denken statt neuen Berufen».

Einer dieser Zukunftsforscher ist der Futurist Gerd Leonhard. Er wagt eine Prognose, die für Aufsehen sorgen könnte: «Man kann davon ausgehen, dass bis zu 50 Prozent der Berufe in den nächsten Jahrzehnten verschwinden werden und sich neue Jobprofile entwickeln. Alles, was automatisiert oder digitalisiert werden kann, wird betroffen sein.» Die Berufsleute der Zukunft würden sich «fast von selbst ein Profil geben» und ihre Fähigkeiten gezielt in Projekten zum Einsatz kommen. «Die Energiewende spielt eine grosse Rolle und auch der Weg vieler Gemeinden und Städte zur 2000 Watt-Gesellschaft. Bei allem, was mit emotionaler Intelligenz und nicht nur mit Big Data-Input zu realisieren sein wird, werden wir als Berufsmenschen einen Vorsprung gegenüber Maschinen haben.»

(Bild: zVg / METAV) An den Berufsmessen weltweit ist das Thema Digitalisierung präsent. Man sucht sich ein Jobumfeld, das Zukunft hat.

Die Weiterbildungs­institutionen reagieren auf die Trends
Was bedeutet dies für die Aus- und Weiterbildungsbranche? Besonders jene «Berufe der Zukunft» im Cleantech- und Energie- und Umwelt-Bereich erfordern die Fähigkeit zum «neuen Denken und Verknüpfen». Da geht es um anforderungsreiche Aufgaben im Bereich ressourcenschonende Art der Behandlung von Technologien und Dienstleistungen. Effizienzsteigerung und Kostenminderung spielen in der Berufswelt eine entscheidende Rolle. Fachkräfte für den Bereich Energie und Umwelt sind dementsprechend gesucht. Und: Erkannt hat den Trend auch die Politik. Die kantonale Finanzierung der entsprechenden Lehrgänge steht in den zuständigen Departementen ganz oben auf der Prioritätenliste. Gefordert sind somit nicht nur die Betriebe, die KMU und Konzerne, sondern auch die Weiterbildungsinstitute. TEKO Basel-Schulleiterin Terry Tschumi beispielsweise bestätigt denn auch, dass Bund und Kantone Ausbildungen wie beispielsweise Techniker/in HF Umwelt und Energie ideologisch und finanziell unterstützen. Je nach Kanton werden bis zu 50 oder gar 60 Prozent der Ausbildungskosten übernommen: «Jene, die jetzt davon profitieren, werden künftig bei der Jobsuche einen Vorteil und bessere Karrierechancen haben. Ich gehe davon aus, dass im Zeichen der Globalisierung, der Energiewende und der neuen Herausforderungen an die Mitarbeitenden diese effizienten und gut ausgebildeten Berufsleute äusserst beliebt sein werden.»

Gleiches sagt auch Daniel Herzog, CEO der Lernwerkstatt Olten: «Viele Fachleute müssen sich nun auch nach einer passgenauen Weiterbildung umsehen. Der Jobmarkt wird Fachleute in Digitalisierung produzieren. Wichtig hierbei ist: Das Erkennen, wer das Talent hat, eine solche Position zu bekleiden. Hier ist ein Top-Talentmanagement und Mentoring gefragt.» Man müsse das Potenzial der eigenen Mitarbeitenden frühzeitig erfassen, gezielt weiter entwickeln und ihnen klare Perspektiven aufzeigen, sagt beispielsweise Talentmanagement-Experte Peter Schaller von der Lernwerkstatt Olten. Potentielle Kandidatinnen und Kandidaten für Schlüssel- und Führungspositionen müssen zudem frühzeitig aufgebaut und Talente nachhaltig an die Unternehmung gebunden werden. Damit bleibt auch das Know-how in der Firma, was die Kontinuität erhöht. In einer Fachstelle mit hohen Anforderungen und komplexen, verknüpfungsintensiven Aufgaben erst recht.

«MINT» war auch an der Berufsmesse hoch im Kurs

(Bild: zVg / METAV) Frauen und Mädchen drängen immer mehr in die «MINT»-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Techniker/in HF ist eine der angesagtesten Weiterbildungen

Grosses Interesse erzeugten bezüglich Berufsbranche und Weiterbildungen die Bereiche Informatik und «MINT», was so viel heisst wie Mathematik, Informatik, Natur(wissenschaft) und Technik. Viele junge Frauen interessieren sich immer mehr für diese Bereiche – auch dank grosser Anreizsystemen in der Berufswelt und Promotion in den Schulen. Wir haben an dieser Stelle bereits sehr ausführlich darüber berichtet (siehe baslerwoche.ch/news-item/das-interesse-fur-das-wahlpflichtfach-mint-an-sekundarschulen-ist-riesig).

Ergo: Die Wahl der richtigen Aus- beziehungsweise Weiterbildung ist eine strategische Angelegenheit. Jetzt mehr denn je. Da ist guter Rat teuer. Die Weiterbildungsinstitute, seien es Höhere Fachschulen oder Fachhochschulen, erstellen ihre Angebote oft gemäss von Trendscouts eruierten Berufsbildern der Zukunft. Die TEKO Basel ist ein Beispiel dafür, wie man sich dank einer passenden Ausbildung im Jobmarkt positionieren kann und seine Aufstiegschancen in der Berufswelt der Zukunft sichert. Dies ist möglich, weil das Portfolio – sprich die Lehrgänge – darauf ausgerichtet sind und das Beratungsteam sich bezüglich Anforderungen für die berufliche Zukunft auskennt. So funktioniert berufliche Weiterbildung heute.

Berufe in den «Schnittstellen»
Trendscouts der Branche betonen indes, dass der Bereich Cleantech boomen wird wie kaum ein anderer. Als «Oase für grüne Technologie» sehen die Zukunftsforscher Mitteleuropa in wenigen Jahren. Es wird stetig in erneuerbare Energien investiert. So wird man immer häufiger die Berufsbezeichnungen «Abfall-Designer», Energieberater/in mit eidgenössischem Fachausweis, Fachmann/Fachfrau Entsorgungsanlagen und Rohstoffaufbereiter/in hören. Der Umwelt- und Klimaschutz schaffe «grüne Arbeitsplätze» sagen die Experten. In den letzten drei Jahren hat sich der Berufsmarkt dementsprechend angepasst. Somit haben zum Beispiel Techniker HF in Energie und Umwelt besonders gute Aussichten.

Ausserdem: Wer jetzt eine Ausbildung zur beziehungsweise zum Wirtschaftsinformatiker/in, Techniker/in (unter anderem auch im Fachbereich Energie und Umwelt), Ingenieur/in, Mechatroniker/in oder in der PR-Branche und Betriebswirtschaft macht oder sich für eine Karriere als Technische(r) Kauffrau/Kaufmann entscheidet, hat vorerst eine gute Wahl getroffen. Laut einer Oxford-Studie zur Zukunft des Arbeitsmarktes sind diese Berufe auch im Jahr 2030 noch gefragt. Generell sind Berufe auch künftig hoch im Kurs, die viel mit dem Vernetzen von Fähigkeiten zu tun haben oder als Schnittstellen zwischen Berufsgruppen fungieren.

Vernetzt denkende Führungsleute in einer vernetzten Welt
Ebenso wichtig sind künftig jene Führungsfachleute, die bestens auf der Klaviatur der Menschenführung spielen können. Der «klassische Chef» existiert nicht mehr, sagen Expertinnen und Experten. Dies betreffe jede Branche und jede Hierarchiestufe. In der vernetzten Arbeitswelt von morgen wird personelle und betriebswirtschaftliche Führung von Mitarbeitenden und Teams anspruchsvoller und das Kompetenzfeld breiter. Der Umgang mit immer komplexeren Leadership- und Managementaufgaben setzt Fachwissen sowie auch Kenntnisse in Problemlösestrategien voraus. Methoden- und Sozialkompetenz sind ebenso wichtige Aspekte für die tägliche Arbeit in einer Führungsposition. Anerkannte Zertifikate, erworben bei der TEKO Basel, wie beispielsweise der Eidg. Fachausweis für Führungsfachpersonen helfen jene Leute zu finden, die sich dementsprechend weiterbilden liessen. Mit diesen Themen und noch viel mehr beschäftigen sich vier hochkarätige Referentinnen und Referenten unter anderem auch am WEKA Leadership Forum 2019. Der Event am 31. Januar 2019 im Technopark Zürich (www.praxisseminare.ch/kongresse/fuehrung/event/1048-weka-leadership-forum-2018) richtet sich sowohl an gestandene wie auch an ambitionierte Führungskräfte, die Unmögliches ermöglichen und mit Mut neue Wege erschliessen wollen. Das Motto heisst: Die Gewinner der Transformation sind diejenigen, denen es gelingt, die Menschen mitzunehmen.

JoW

Weiterleiten
  • gplus
  • pinterest