Pikanter Vergleich: Baselbieter Maturanden top, 22 Prozent der Basler/innen floppen an der Uni

Abbruchquote von acht Prozent bei Studis aus Baselland ist ein Top-Wert

Die Studentinnen und Studenten aus dem Kanton Basel-Land können stolz sein: Mit knapp acht Prozent Abbruchquote glänzen sie an der Spitze der Statistik im schweizweiten Vergleich. Dagegen liest sich die Auswertung des Bundesamtes für Statistik bezüglich der Basler Kommilitonen ziemlich bitter.

(Bild: PEXELS) Auf die Baselbieter Studis ist Verlass: Schweizweit die wenigsten Studienabbrüche

Zwar gehen in keinem Kanton der Deutschschweizer so viele ins Gymnasium wie in Basel-­Stadt. Aber die hohe Gymi-­Quote von 45 Prozent hat ihre Tücken: Viele schlagen nämlich nach der Matura einen akademischen Weg ein und gehen studieren. Und von jenen, die diese Wahl treffen, haben zuletzt satte 22 Prozent ihr Studium abgebrochen. Das ist Schweizer Rekord.

Anders sieht es im Baselbiet aus: Hier beträgt die Gymnasialquote 23 Prozent. Das sind drei Prozent mehr als im schweizweiten Vergleich. Dementsprechend weniger «Wackelkandidaten» finden sich danach auch im Universitätsstudium ein. Der statistische Unterschied ist frappant: nur acht Prozent Studierende aus dem Baselbiet werden zu Abbrechern.

Daten des Bundesamts für Statistik zeigen: 22 Prozent der Basler Maturanden, die 2008 ein Universitätsstudium aufgenommen haben, haben mittlerweile abgebrochen oder stehen selbst nach 16 Semestern ohne Bachelor-Abschluss da. Und da spricht noch eine Zahl Bände: 54 Prozent der Studierenden ziehen ihr angefangenes Studium durch. Rund 20 Prozent machen ihren Abschluss entweder an einer anderen Fakultät oder einer anderen Uni, sechs Prozent machen einen Abschluss an einer anderen weiterführenden Schule (Quelle: Bundesamt f. Statistik).

(Bild: Bilddatenbank Basel-Stadt) Universität Basel/Kollegiengebäude: 22 Prozent Abbruchquote ist ein Spitzenwert in der Deutschschweiz.

Weitgehend bekannt sind die aktuellen Massnahmenpakete der Erziehungsdirektion: Man will offiziell die Gymi-Quote auf 35 bis 40 Prozent stabilisieren. Strengere Vorgaben bei der Benotung von Sekundarschülern sind einer der Schritte. Klassendurchschnitte von über 5,0 wird es nur noch in besonderen Fällen geben. An Gymnasien soll unter anderem ein «künstlicher Fallschirm» – zum Beispiel anhand von Lehrstellenbörsen – geboten werden, um Wackelkandidatinnen und -kandidaten frühzeitig eine Alternative aufzeigen zu können.

Arbeitsmarkt fordert immer höheres Bildungsniveau
Entspannen wird sich diese Situation erst mittelfristig. Denn das Bildungsniveau der Schweizer Bevölkerung wird sich in den kommenden zwanzig Jahren weiter erhöhen. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht des Bundesrates zur demografischen Entwicklung und zur Bildung. Diese Entwicklung deckt sich mit der Nachfrage des Arbeitsmarkts nach top ausgebildeten Fachkräften. In Zuge des kürzlich von Arbeits- und Trendforscher-Teams voraus gesagten Fachkräftemangels ist dies nicht verwunderlich. Und so wird bis im Jahr 2037 fast die Hälfte der 25- bis 65-Jährigen einen Bildungsabschluss auf Tertiärstufe vorweisen können. 2017 lag dieser Anteil bei 43 Prozent. Die Zahl der Abschlüsse auf den anderen Bildungsstufen dürfte stabil bleiben.

(Bild: PEXELS) Im Tertiärbereich wird bis 2035 die Zahl der Studierenden in der Schweiz im Verhältnis noch höher sein als jemals zuvor.

Viele Studierende wählen auf Tertiärstufe auch den Weg über die Höhere Berufsbildung
Interessant dabei ist: Viele werden nicht alleine auf Fachhochschulen oder Hochschulen ihren Bildungsweg bestreiten, sondern besonders effizient den Weg zu einer Höheren Berufsbildung wählen. Mit einem Diplom HF auf einer Höheren Fachschule oder einem Eidgenössischen Fachausweis in der Tasche eröffnen sich ebenfalls gute Karrierechancen. Besonders, wenn man die strategisch-taktisch richtigen Studiengänge wählt und dass man sich dank einer strategisch richtigen Weiterbildungsentscheidung für die Berufe der Zukunft fit machen kann. TEKO Basel Schulleiterin Terry Tschumi beobachtet die Entwicklung genaustens, denn die Höhere Fachschule bildet auf dem Tertiärsektor genau jene hochqualifizierte Leute aus, die bei den neuen vernetzten Jobs der Zukunft gefragt sein werden: «In einigen Berufszweigen ist ein Fachkräftemangel abzusehen. Bildet man sich in Berufen mit grosser Nachfrage, hat man gute Zukunftsaussichten. In einer Zeit der Globalisierung und Innovation müssen Mitarbeitende Kenntnisse und Kompetenzen laufend aktualisieren, um arbeitsmarkt- und konkurrenzfähig zu bleiben.» Der Hauptgrund in der Aktualität der Höheren Fachschulen liegt in der laufenden Anpassung der Lehrgänge an die neuesten Entwicklungstrends sowie im hohen Praxisbezug.

Bundessubventionen: Unterstützung für künftige Fachkräfte
Dazu kommt noch folgender Aspekt: Satte 50 Prozent beträgt ab 1. Januar 2018 die finanzielle Unterstützung auf Stufe Höhere Berufsbildung für Absolvierende von Kursen, die sich auf eine eidgenössische Prüfung vorbereiten. Dies ist für Studierende eine grosse Hilfe und ist eine grosse Erleichterung auf dem Weg zu noch besseren Fachleuten bei der höheren beruflichen Bildung auf dem Tertiärsektor. Damit ist eine Weiterbildung in Berufen, die voll im Trend sind und wo Leute gesucht werden, erst recht attraktiv.

Diese Subventionsmassnahme ist eines der zentralen Elemente des Massnahmenpakets zur Stärkung der höheren Berufsbildung, das 2014 vom Bundesrat beschlossen wurde. Mit dem neuen subjektorientierten Finanzierungssystem werden die Bundesbeiträge – nun also definitiv 50 Prozent – direkt an Personen ausbezahlt, die einen vorbereitenden Kurs für eine eidgenössische Berufs- oder höhere Fachprüfung besucht haben und im Anschluss daran eine eidgenössische Prüfung absolvieren. Neu erhalten die Absolvierenden 50 Prozent der anrechenbaren Kursgebühren zurückerstattet. Für eidgenössische Berufsprüfungen sind dies maximal 9’500 Franken, für höhere Fachprüfungen maximal 10’500 Franken. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI forciert damit die finanzielle Unterstützung der Absolvierenden von vorbereitenden Kursen auf eidgenössische Prüfungen durch die öffentliche Hand. Damit sollen die unterschiedlichen finanziellen Belastungen von Studierenden der tertiären Bildungsstufe angeglichen und die eidgenössischen Prüfungen gestärkt werden.

Wichtigkeit der Höheren Berufsbildung
Die Finanzierung der höheren Berufsbildung wird von privater und öffentlicher Seite getragen. Studierende und Arbeitgeber sind massgeblich beteiligt. Namentlich die berufsbegleitend organisierte Seite der höheren Berufsbildung, die eidgenössischen Prüfungen und die damit einhergehenden vorbereitenden Kurse, beruht finanziell zu grossen Teilen auf einer starken Beteiligung der Wirtschaft und der Absolventinnen und Absolventen. Während die Durchführung der eidgenössischen Prüfungen mit zu 60 bis maximal 80 Prozent vom Bund subventioniert wird, wurden die vorbereitenden Kurse nur zum Teil kantonal subventioniert. Dagegen ist das schulische System auf Tertiärstufe (höhere Fachschulen, Hochschulen) vor allem öffentlich finanziert.

Redaktion, div. Quellen

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