Augen auf bei der Berufswahl…

Auswertung des Fachkräfte-Monitorings in der Region: Erleben wir bald einen «Boom» bei MINT-Berufen?

Der Fachkräftemangel in Mitteleuropa ist ein Thema, das viele im Zeitalter der Transformation der Arbeitswelten umtreibt. Im Fachkräftemangel-Index wird aufgezeigt, wie es in der Schweiz um dieses Thema steht. Uns interessiert, wie die Situation speziell in unserer Region aussieht.

(Bild: Bilddatenbank BS) Techniker/innen- oder Ingenieursberufe im MINT-Segment werden bald einen hohen Stellenwert haben und sehr gefragt sein.

Im Rahmen der Wirtschaftsförderung des Kantons Basel-Landschaft wird seit 2016 von der Kooperationsgruppe Fachkräftebedarf ein qualitatives regionales Fachkräfte-Monitoring betrieben. Dieses wurde 2017/18 durch ein quantitatives Mangelindikatoren-Modell ergänzt. Hierbei wurde – dank Auswertung regionalisierter Daten – erkannt, dass vor allem ein Fachkräftemangel im Gesundheitswesen sowie in den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) vorhanden ist.

Die Zeit ist reif…
Dies mag erstaunen, sind doch Berufe und Ausbildungen zu Jobs im Bereich MINT stark im Trend und die MINT Fächer erfreuen sich in den Sekundarschulen und Gymnasien hoher Beliebtheit (vor allem auch bei Teenagerinnen und jungen Frauen). Besonders, wenn es sich um moderne Berufsbilder und «Jobs mit Sinn» handelt zeigt sich dieser Trend ganz deutlich: Zum Beispiel sind so genannte «Umweltjobs» (nach zu lesen in einem unserer früheren Beiträge www.baslerwoche.ch/news-item/jugendliche-sind-heiss-auf-umwelt-jobs/) oder Technikerberufe im Bereich Elektrotechnik oder Energie und Umwelt äusserst beliebt. Dies wird auch durch jene bestätigt, die am Puls der Nachfrage stehen wie die Weiterbildungsinstitute mit den entsprechenden Angeboten. Terry Tschumi, Schulleiterin der TEKO Basel, die spezialisiert ist in der Aus- und Weiterbildung in Techniker/innen – und MINT-Berufen: «Die Ausbildungen in jenen Berufen, die einen Fachkräftemangel nachweisen, wurden von uns entwickelt, weil die Nachfrage von Seiten Arbeitgebende und Arbeitnehmende jetzt stetig zunimmt und in Zukunft gross sein wird. Dies gilt besonders für die Techniker/innen HF Energie und Umwelt.», bestätigt Terry Tschumi. «Eine solche Ausbildung ist spannend und nicht alltäglich. Als Bewerberin oder Bewerber auf dem Arbeitsmarkt hat man bei einer noch eher kleinen Konkurrenz mit dieser fundierten Ausbildung gerade jetzt einen klaren Wettbewerbsvorsprung.» Terry Tschumi bestätigt zudem, dass aktuell immer häufiger von Jugendlichen Informationen zum HF Lehrgang Techniker/in Energie und Umwelt angefordert und die Klassen immer voller werden. Dies habe ganz bestimmt nicht nur mit dem Ruf der TEKO Basel als traditionell in der Ausbildung für Technik-Berufe arrivierte Höhere Fachschule zu tun. Die zukünftigen Jobmöglichkeiten mit dieser Ausbildung seien eben sehr gut.

Aber ein Trend bedeutet noch lange keine endgültige Lösung des Fachkräfteproblems. Bis die neuen Fachleute mit dem «neuen Wissen» und der richtigen Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt einsetzbar sind, wird es noch ein bis zwei Jahre dauern, sagen die Fachleute.

MINT-Berufe und Jobs im Gesundheitswesen – Vom Mangel zum Trend?
Aktuell ist es so, dass die Intensität des Fachkräftemangels in der Region in der Periode 2017/18 im eben beschriebenen MINT-Bereich und in den Gesundheitsberufen besonders hoch ist. Der Mangel an Ärztinnen und Ärzten scheint stärksten. Dies ist das Ergebnis der Beurteilung des Fachkräftemangels durch die Kooperationsgruppe Fachkräftebedarf Basel-Landschaft, die gemeinsam mit dem Kanton Basel-Stadt und das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) Zürich entwickeltes Indikatormodell mit regionalen Daten der Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn gespeist hat. Die Berechnung des berufsbezogenen Mangelindikators basiert auf folgenden vier Variablen: Schwierigkeiten der Arbeitgeber bei der Personalrekrutierung, das Verhältnis der offenen Stellen zu den Stellensuchenden, die Dauer der Stellenausschreibung und die Dauer der Stellensuche. Der Fachkräftemangelindikator quantifiziert die Intensität des Fachkräftemangels für rund 100 verschiedene Berufe. Dies ermöglicht eine Einschätzung, in welchen Berufen der Mangel an Fachkräften im Vergleich zu den anderen Berufen besonders ausgeprägt ist. Die genauen Resultate und eine aussagekräftige Grafik ist auf www.baselland.ch unter den Navigationspunkten Politik und Behörden, Medienmitteilungen und Fachkräftebedarf abrufbar.

(Bild: PEXELS) Die Nachfrage nach Jobs mit «Sinn» und nach so genannten «Umweltjobs» steigt exponentiell

Kanton Basel-Landschaft will eine Schlüsselrolle einnehmen
Interessant ist in der Region die Rolle der «Kooperationsgruppe Fachkräftebedarf». Sie wurde durch den Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft im August 2016 ins Leben gerufen. Sie setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, der Finanz- und Kirchendirektion und der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Basel-Landschaft sowie aus je einer Vertretung der Wirtschaftskammer BL, der Handelskammer beider Basel und der OdA (Organisation der Arbeit) Gesundheit beider Basel zusammen. Die Gruppe hat den Auftrag, ein aussagekräftiges Fachkräfte-Monitoring durchzuführen, Rückmeldungen aus der Wirtschaft aufzunehmen und einen konkreten Aktionsplan auszuarbeiten. Sie koordiniert und fördert zudem Massnahmen und Aktionen zur Minderung des Fachkräftemangels in den Bereichen Monitoring, Stärkung der Berufsbildung, Sicherstellung der Ausbildungsqualität durch verstärkte Zusammenarbeit und das Ausschöpfen des vorhandenen Potentials (Quelle: baselland.ch). Vorhandene Potenziale in der Region sollen also besser ausgeschöpft werden und die Bildungsleistungen grundsätzlich an den Mechanismen von Angebot und Nachfrage ausgerichtet werden. Das scheint Priorität zu haben. Konkret will man also die relevanten Akteure im Arbeitsmarkt für aktuelle Entwicklungen sensibilisieren und wertvolle Impulse geben. Hier schliesst sich der Kreis mit der Verantwortung und der Rolle der Höheren Fachschulen (HF) wie eben die TEKO Basel, welche schon seit Jahren ihr Bildungsangebot genau so ausrichtet.

Der Kanton Basel-Landschaft involviert sich sehr stark in dieses Thema und versucht, eine interessante Schlüsselrolle einzunehmen. Er sehe sich in der Verantwortung, im Dialog mit der regionalen Wirtschaft das Thema Fachkräftebedarf aus verschiedenen Perspektiven zu analysieren, um regionale Problemfelder zu erkennen und möglichen Trends mit konkreten Massnahmen frühzeitig entgegenzuwirken, heisst es von offizieller Seite. Das höhere Ziel hierbei ist, den Dialog mit den Unternehmungen zu führen und mögliche Entwicklungen vorweg zu nehmen. So haben sich das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) und die Standortförderung Baselland bereits im Rahmen des Baselbieter Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsforum (BAWF) 2018 intensiv mit den Fragen der Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt auseinandergesetzt. Die Arbeiten der Kooperationsgruppe und die Erkenntnisse aus dem Prozess des BAWF stehen in enger Verbindung zueinander und sollen eng verzahnt werden.

JoW

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