«Alarm» im Erziehungs­departement und in der BKSD?

Aktuelle Studie zu den Grundkompetenzen in Mathe und Sprachen sorgt für Unbehagen in den Beiden Basel

Hoppla… die Basler – und überraschenderweise auch die Baselbieter Schülerinnen und Schüler – liegen laut der neuesten Studie zu den Grundkompetenzen in Mathe und bei den Sprachen unter dem schweizerischen Durchschnitt. Nun sind die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Baselland (BKSD) und das Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt im Zugzwang. Wir haben uns umgehört, was nun passiert nach diesem ernüchternden Befund.

(Bilder: Bildarchiv Basel-Stadt ) Soziale und demografische Voraussetzungen sorgen oft für grosse Leistungsunterschiede – Das weiss man im Erziehungsdepartement (Foto) natürlich aus vielen Erfahrungswerten.

Für gewöhnlich ist unter anderem die Berücksichtigung der demografischen Situation eines Kantons mitentscheidend, wie die Resultate bei der nationalen Überprüfung der Grundkompetenzen (ÜGK) in Mathematik und bei den Sprachen zu interpretieren sind.

Die Studienergebnisse zeigen nämlich deutlich, dass individuelle Merkmale der Schülerinnen und Schüler wie Geschlecht, soziale Herkunft, Migrationsstatus und zu Hause gesprochene Sprache einen Effekt darauf haben, wie gut die Jugendlichen die Grundkompetenzen erreichen. Ob diese Unterschiede statistisch signifikant sind oder nicht, kann jedoch je nach Kanton und Fach unterschiedlich sein.

Getestet wurden im Auftrag der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) die 4. Klassen der Sekundarschulen in Mathematik im Jahr 2016 und die 6. Klassen der Primarschulen in Deutsch und Französisch im Jahr 2017. Aufgrund der Demografie im Kanton Basel-Stadt kann man einen der Gründe erahnen, warum sich der Kanton Basel Stadt regelmässig beim Kantonsvergleich in die hinteren Positionen einreiht.

Basel: Gute Schüler/innen im nationalen Schnitt
Simon Thiriet, Leiter Kommunikation des Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt: «Die Resultate lesen sich für Basel-Stadt natürlich unschön und müssen Ansporn sein, uns zu verbessern. Die Daten wurden jedoch noch im alten Schulsystem erhoben. Die EDK selbst hat die Anforderungen in Mathe als zu hoch bezeichnet. Und wenn man als urbaner Stadtkanton tendenziell auch sozial schwächere Schüler hat, dann schlagen sich zu hohe Anforderungen sehr viel stärker in den Resultaten nieder.» Ganz wichtig sei aber auch zu erwähnen, dass man im Kanton Basel-Stadt durch die eigenen Checks wisse, dass die besten Schülerinnen und Schüler «bei uns genau gleicht gut sind wie im Rest der Nordwestschweiz». Darauf liesse sich aufbauen, so Simon Thiriet. Grund zur Panik bestehe deshalb nicht.

Förderung des sprachbewussten Unterrichts
Natürlich besteht aber umso mehr Anlass Massnahmen zu ergreifen. Zum Beispiel im Fach Mathematik: «Nur wer eine Mathe-Aufgabe versteht, hat demnach auch eine Chance, diese zu lösen! Bei den Sprachen geht es um das Gleiche: Wir erachten das sprachliche Verständnis der Aufgaben als elementar für deren Bearbeitung. Deshalb fokussieren wir uns auf den eingeschlagenen Weg der Förderung des sprachbewussten Unterrichts. Wenig reflektierte Sprachmassnahmen lehnen wir ab.»

Baselland war auf dieses Ergebnis nicht vorbereitet
Nun hat aber besonders das Ergebnis der Studie aus Baselland erstaunt. Die Baselbieter Schülerinnen und Schüler liegen bei den Grundkompetenzen unter dem schweizerischen Durchschnitt. Während die Ergebnisse in Deutsch im schweizerischen Durchschnitt liegen, sind die Ergebnisse in Mathematik deutlich schlechter als erwartet. Im Französisch hatte man eher damit gerechnet. Bildungsdirektorin und Regierungspräsidentin Monica Gschwind zeigte sich überrascht: «Das Resultat im Fach Mathematik kommt für mich unerwartet. In allen drei Leistungszügen und in allen getesteten Kompetenzbereichen und Handlungsaspekten sind die Ergebnisse ungenügend.»

Das Kirschgarten Schulhaus – Hier wie auch in den anderen Basler Schulen, wo die Grundkompetenzen in Mathe und Sprachen eruiert wurden, gab es ein Defizit in Französisch und Mathe.

Darauf war man offenbar nicht vorbereitet. In anderen Erhebungen wie zum Beispiel der PISA-Studie 2006 schnitt das Baselbieter Bildungswesen jeweils im Mittelfeld ab. Zudem weist der Kanton Basel-Landschaft mit über 92 Prozent der 25-Jährigen mit einem Abschluss der Sekundarstufe II im interkantonalen Vergleich eine hohe Erfolgsquote auf. Auch aufgrund der hohen Hochschulerfolgsquote war dieses Resultat nicht zu erwarten, liess Monica Gschwind verlauten. Die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion und der Bildungsrat arbeiten nun Vorschläge für Massnahmen aus. Ein entsprechender Zwischenbericht soll bis bis Ende 2019 vorliegen.

Der lokale Gestaltungs­spielraum der Schulen soll grösser werden
Die Leiterin Kommunikation Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kanton Basel-Landschaft, Monique Juillerat: «Verschiedene Massnahmen sind bereits auf gutem Weg, die Vorschläge werden daran anknüpfen. Dazu gehört die Optimierung des Sprachenkonzepts.» Die stärkere Gewichtung des Wortschatzes und ein strukturierter Aufbau sei Teil des Umsetzungsvorschlags des Regierungsrats zur Volksinitiative «Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt». «Ferner werden gegenwärtig unter Hochdruck weitere Lehrmittel evaluiert», so Monique Juillerat weiter. Im Rahmen der Landratsvorlage «Bildungsqualität in der Volksschule stärken – Angebote der Speziellen Förderung und der Sonderschulung» soll der lokale Gestaltungsspielraum der Schulen grösser werden. Die Spezielle Förderung in den Schulen müsse gezielter und flexibler eingesetzt werden, heisst es weiter. Sie solle in Zukunft vermehrt für die Unterstützung ganzer Klassen oder Gruppen und nicht mehr ausschliesslich für die individuelle Einzelförderung verwendet werden. Die Vorlage wird in der landrätlichen Bildungs-, Kultur- und Sportkommission beraten.

«Ich habe bereits frühzeitig, ohne Kenntnisse dieser Ergebnisse, Massnahmen zur Verbesserung der Baselbieter Schulbildung eingeleitet. Die nun vorliegende Überprüfung zeigt umso mehr, dass diese bereits eingeleiteten Massnahmen von Bedeutung sind und wir die Qualität unserer Bildung weiter entwickeln müssen», bestätigte Bildungsdirektorin Monica Gschwind.

Im Theobald Baerwald Schulhaus (Foto) wie auch woanders in Basel-Stadt – Soziale und demografische Voraussetzungen sorgen oft für grosse Leistungsunterschiede.

Warum ausgerechnet in Mathematik die Resultate nicht erfreulich waren, hat diverse Gründe. Optimistisch gibt sich Beat Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbands. «Ich bin sicher, dass wir in wenigen Jahren deutlich bessere Resultate haben werden.» Die Schüler müssten sich an die Testsituation am Computer gewöhnen. «Das ist wie bei der Fahrprüfung: Da müssen Sie auch ein bisschen üben, bevor Sie durchkommen.» Eine Mathe-Aufgabe auf dem Gebiet der Proportionalität lautete beispielsweise: «Ein Pullover kostet normalerweise 170 Franken. Im Ausverkauf gibt das Geschäft auf alle Kleidungsstücke 20 Prozent Rabatt. Wie viel kostet ein Pullover im Ausverkauf?» Schülerinnen und Schüler mussten zudem eine oder mehrere lineare Funktionen grafisch in einem kartesischen Koordinatensystem darstellen.

JoW, Mitarbeit: Daniele Ciociola


Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) untersuchte bei über 20’000 Schülerinnen und Schülern zum ersten Mal die Grundkompetenzen bei den Sprachen und der Mathematik, welche im Jahr 2011 in den Bildungszielen festgelegt wurden. Getestet wurde das Können bei der Schulsprache und ersten Fremdsprache am Ende der Primarstufe (2017) und bei der Mathematik am Ende der obligatorischen Schule (2016).

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